Miss Marple aus Zürich

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Wofür ist die Peitsche im Auto des Ehemanns? Wer ist der Erbschleicher? Louisa findet es heraus.

Juliane Schiemenz

Wofür ist die Peitsche im Auto des Ehemanns? Wer ist der Erbschleicher? Louisa findet es heraus.

 

Eine Frau läuft durch ein Villenviertel im Speckgürtel von Zürich. Sie ist Mitte sechzig, gepflegt, schlank, hat blondes glattes Haar, trägt eine dunkle Steppjacke, Bluse, schwarze Jeans, edle, unauffällige Sneakers, dezenten Schmuck, eine modische Brille. Nichts an dieser Frau könnte normaler sein. Niemanden könnte man leichter übersehen. Würde sie neben einem an der Bushaltestelle stehen, im Supermarkt in die benachbarte Gefriertruhe greifen – man würde keine Notiz von ihr nehmen oder sie höchstens kurz bemerken, um sie dann sofort wieder zu vergessen. In einer Welt, die sich vor allem für Jugend und Schönheit interessiert, können Menschen jenseits der sechzig schnell zu Hintergrundmenschen werden.

Die Frau lächelt und blinzelt in die Sonne. Ihr Gesicht hat etwas von einem neugierigen, kecken Mädchen. Ein Mädchen, das sich freut, weil es beim Versteckspiel unentdeckt geblieben ist. «Wenn die wüssten!», sagt ihr Gesichtsausdruck. Die Frau heisst Louisa Erismann und arbeitet seit sechs Jahren als Privatdetektivin.

Vom Beruf des Privatdetektivs geht seit mehr als zwei Jahrhunderten eine eigentümliche Anziehungskraft aus, die von Romanen, Filmen und Fernsehserien immer wieder aufs Neue entfacht wird. Sie sind Superhirne, Streber, Zocker, Schnüffler oder Halbkriminelle. Sherlock Holmes, Philip Marlowe, Miss Marple oder Jessica Fletcher in der Serie Mord ist ihr Hobby. Den Figuren haftet häufig etwas Verschrobenes an, das mit dem eigentlichen Berufsbild des Privatdetektivs nur wenig gemein hat. Wer ist Louisa Erismann, die Detektivin aus dem Zürcher Seefeld?

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