Nichts als grüne Luft

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3 Milliarden Dollar für die Entwicklung sauberer Energie, 150 Milliarden für fossile Brennstoffe.

Christoph Keller

Aber wo ist er nun, David Hone. Der Mann, den sein Arbeitgeber, der Erdölkonzern Royal Dutch Shell, losschickt an jede Klimakonferenz. David Hone, der regelmässig von Regierungsstellen als Berater beigezogen wird. David Hone, der dann mit einem leichten Singsang in der Stimme erklärt, wie Shell sich eine Welt vorstellt, die nicht wärmer werden soll als um die 1,5 Grad, die an der Pariser Klimakonferenz 2015 beschlossen wurden. Der Grafiken an die Wand projiziert; Flussdiagramme, auf denen Kohlenstoffe seltsame Verwandlungen durchmachen und sich dann in Luft auflösen. David Hone, der jungenhafte Chief Climate Change Advisor bei Shell, buschige Augenbrauen und Lachgrübchen im Gesicht, er soll mit einem Mal nicht erreichbar sein.

«Nothing is possible», schreibt Sally Donaldson, die Pressesprecherin, wochenlang geht das so.

Aber dann taucht David Hone wieder auf, von einem Tag auf den anderen, ich habe ihn am Telefon:

«Hi Christoph.»

«Hi David.»

«Wir haben genau eine halbe Stunde, auf die Sekunde, also schiessen wir los, ja?»

«David, die Welt verändert sich, die Klimabewegung ist mächtig geworden, immer mehr Staaten und Gemeinden wollen eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe, viele Investoren raten von Investitionen ins Erdölgeschäft ab. Was bedeutet das für einen Erdölkonzern wie Shell?»

«Das ist eine politische Frage, die kann ich nicht beantworten. Next question please.»

«Next question», sagt Sally Donaldson, die im Hintergrund mithört.

David Hone, Chief Climate Change Advisor von Shell, darf nicht über Klimapolitik sprechen, nicht über die vielen Klagen, die Shell wegen fehlenden Engagements beim Klima am Hals hat, er darf sich nicht äussern zur Klimabewegung, die Shell immer mehr bedrängt.

Er darf einzig über das sprechen, woran er in den Wochen seiner Unerreichbarkeit einmal mehr gearbeitet, getüftelt hat: über die Strategien, wie der Erdölkonzern Shell in der Zukunft zu einem «net-zero emissions business» werden soll. Zu einem Konzern also, der Millionen Tonnen Erdöl aus der Erde pumpt, das Öl in Raffinerien verarbeitet, dann Gas und Öl um die halbe Welt schippert, um es an Endkunden zu verkaufen, die das dann verbrennen – und dabei unter dem Strich keine Treibhausgasemissionen mehr an die Atmosphäre abgeben will.

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