Nordwärts

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Mit dem Güterzug wollen Migranten aus Mittelamerika in die USA. Die Endstation kommt meist früher.

Erwin Dettling

Mariza kam am 26. Mai in Chiapas unter den Zug. Ein Rad eines Güterwaggons trennte der Migrantin aus Honduras den linken Unterschenkel ab. Mariza rollt im Andachtsraum des Migrantenheims «Jesús El Buen Pastor del Pobre y Migrante» im Rollstuhl auf mich zu und erzählt ihre Geschichte. Der Beinstumpf hängt kraftlos an ihrem Körper. Noch immer ist die vernarbte Stelle mit einer Gaze bandagiert. «So weit ist mein amerikanischer Traum geraten», sagt Mariza. Das Heim liegt in einem Aussenbezirk von Tapachula, einer Provinzstadt, wo verschiedene Stränge des transnationalen Verbrechens zusammenlaufen: Drogenhandel, Waffen- und Menschenhandel, Geldwäscherei, Entführungen und grenzüberschreitende Prostitution. Die Migranten aus Zentral- und Südamerika, die Indocumentados, sind gezwungen, auf ihrem gefährlichen Weg in die USA den Soconusco, diese grüne Hölle entlang des Pazifiks, zu durchqueren. «Ich wollte für drei Jahre nach Amerika, mein Bruder ist schon in Chicago, ich plante, dort Geld zu verdienen für ein kleines Haus, für mich und meinen achtjährigen Sohn José Danilo», erzählt Mariza. Die 23-Jährige stammt aus dem karibischen Dorf La Ceiba, ist eines von 13 Kindern einer bitterarmen Bauernfamilie.

 

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