Pamplona im Juli

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Die historische Reportage - von 1923.

Ernest Hemingway

In Pamplona, einer weissgetünchten, von der Sonne versengten Stadt hoch oben im Bergland von Navarra, findet jedes Jahr in den ersten beiden Juliwochen das Weltfest der Stierkämpfer statt. Stierkampfnarren aus ganz Spanien strömen in die kleine Stadt. Die Hotels verdoppeln die Zimmerpreise und sind ausverkauft. In den Cafes unter den weiten Arkaden rings um die Plaza de la Constitución sind alle Tische besetzt von riesigen andalusischen Schlapphüten, Strohhüten aus Madrid und den blauen Baskenmützen aus Navarra und den Pyrenäen. Dunkle, dunkeläugige, wirklich schöne Mädchen flanieren vom Morgen bis zum Abend mit ihrem Gefolge auf dem schmalen schattigen Gehsteig, der sich zwischen dem inneren und äusseren Ring der Terrassencafe-Tische hinzieht, schwarz gesäumte Mantillas über dem Haar, herrlich leuchtende Schals um die Schultern, und die Plaza brütet in der Sonne. In den Strassen wird getanzt, den ganzen Tag und die Nacht hindurch. Scharen von Bauern in blauen Hemden schwärmen, wiegen sich und schieben hinter Trommeln, Rohrflöten und Querpfeifen her, in alten baskischen Riau-Riau-Tänzen. Und nachts dröhnen die grossen Pauken der Militärmusiker, während die ganze Stadt auf der grossen, offenen Plaza tanzt. 

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