Rentner (75) sucht Job

In den USA muss jeder fünfte Mensch bis ins hohe Alter arbeiten.

Matthias Fiedler

Als Hurrikan «Irma» im August 2017 über die Florida Keys hereinbrach und Tausenden Menschen das Dach über dem Kopf wegriss, sass Eddy Kotmaier 2000 Kilometer entfernt in einem alten, faltigen Ledersessel im Keller seines Hauses in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland, den kahlen Kopf in die rechte Hand gestützt. Er war verzweifelt.

Fast sein ganzes Leben lang hatte er Häuser gebaut. Fundament, Innenausbau, Dach.  In Baltimore sagen sie, Eddy sei ein guter Handwerker. Doch für die kommenden Monate hatte er kaum Aufträge. Kotmaier wusste nicht, wie er die Raten für sein Haus bezahlen sollte. Plus Strom, Wasser und Gas, insgesamt über 1700 Dollar.

 Kotmaier ist 65 Jahre alt. Eigentlich sollte er längst seinen Lebensabend geniessen. Aber das ist unmöglich − nicht nur wegen der offenen Raten fürs Haus. In die Social Security, die staatliche Rentenversicherung, hat er nie eingezahlt, weil er sich das nicht leisten konnte. Er steckte sein Geld stattdessen in die College-Ausbildung seiner Tochter Rachel und hoffte, die 35 000 Dollar bis zum Ruhestand wieder in der Tasche zu haben. Es klappte nicht. Kotmaier schätzt, dass er noch zehn Jahre wird arbeiten müssen.

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«Ich werde mit einem Hammer in der Hand sterben», sagt er.

 Der Anruf, der Eddy Kotmaier neuen Mut gab, kam an einem Morgen im September 2017. Ein befreundeter Bauunternehmer aus Baltimore war am Telefon. Der fragte ihn, ob er auf die Florida Keys kommen wolle, Hurrikan «Irma» habe so viele Häuser verwüstet, dass die Menschen dringend Handwerker suchten. Kotmaier sprach mit seiner Frau Mardy, mit der er 15 Jahre verheiratet ist. Am liebsten hätte sie ihren Mann nicht gehen lassen, aber die Familie brauchte das Geld.

 Am nächsten Morgen stieg er in seinen rot-weiss gestreiften Ford 250c, einen 28 Jahre alten Pick-up-Truck, dessen Radläufe der Rost zerfrisst. Neben ihm auf dem Beifahrersitz eine Sporttasche mit seinen Sachen. Auf der Ladefläche ein Werkzeugkasten, eine Bohrmaschine, eine Betonsäge und eine Brechstange.

 Zum Abschied küsste Kotmaier seine Frau durch das heruntergekurbelte Fenster auf die Stirn und sagte zu ihr: «Mach’ dir keine Sorgen.»

 Kotmaier gehörte jetzt zum Millionenheer amerikanischer Wanderarbeiter. Speziell zu den Alten zwischen 65 und 75 Jahren, die auf der Suche nach Jobs durchs Land ziehen, weil Rente und Erspartes kaum fürs Nötigste reichen. Sie leben in Wohnwagen und Wohnmobilen, manche mussten ihr Eigenheim aus Geldmangel verkaufen. 

 Amerikaner sind keine guten Sparer. Sechs von zehn haben fürs Alter weniger als 10 000 Dollar zurückgelegt.  Am weitverbreiteten Glauben, heute kräftig auf Kredit kaufen zu können, weil es morgen bestimmt abbezahlt sein wird, hat die Finanzkrise so gut wie nichts geändert.  Vor zwanzig Jahren, als die Lebensmittelpreise niedriger waren und die Häuser erschwinglich, war das kein Problem.

Die Altersarmut in den USA wächst rasant. Bei den Menschen, die über 65 Jahre alt sind, muss jeder fünfte noch arbeiten. Die staatliche Rentenversicherung zahlt im Schnitt etwa 1400 Dollar pro Monat, in vielen US-Staaten sogar weniger. Damit kommt man in den USA nicht weit.

Die kleinen Renten und die wenigen Ersparnisse treiben alte Leute zum Himbeerenpflücken nach Vermont, zur Zuckerrüben-Ernte nach Minnesota, zum Eisverkaufen nach Disney World in Orlando. Sie waschen ihre Kleidung im Waschsalon und gehen in Tankstellentoiletten duschen. Viele führen ein Leben am Existenzminimum, ohne Verschnaufpause, aber in der Hoffnung, sich irgendwann doch zurücklehnen zu können.

 Eddy Kotmaier hoffte auf Florida. Er erzählt seine Geschichte vier Monate nach seiner Ankunft in der Fishing Lodge, einem kleinen Campingplatz auf Big Pine Key, einer der mittleren Inseln der Florida Keys. Hier wohnt er seither.  Kotmaier sitzt auf einer Holzbank am Ufer der Fishing Lodge, dort wo ein Strand mit feinem Sand auf den Golf von Mexiko trifft. Der Caravanpark gehört zu den wenigen, die der Hurrikan nicht zerstört hat.

 An die Autofahrt hierher erinnert sich Kotmaier genau. Aus Angst, sein alter Ford würde nach einem Stopp nicht mehr anspringen, fuhr er die 20 Stunden von Baltimore durch und pinkelte am Strassenrand bei laufendem Motor. Er durchquerte Virginia, North Carolina, South Carolina, Georgia, bis er die Keys erreichte − eine 180 Kilometer lange, durch 42 Brücken verbundene Inselkette, die sich vom Festland bis fast nach Kuba zieht. Um nicht einzuschlafen, trank er zwei Kannen Kaffee. 

 Je länger Kotmaier von Insel zu Insel unterwegs war, desto langsamer fuhr er − denn er musste immerzu aus dem Fenster schauen. So etwas hatte er noch nie gesehen. Am Strassenrand türmten sich Kühlschränke, Sofas, Tische, Wohnwagen, zerbeulte Autos und Segelboote mit gebrochenen Masten.

Der Sturm und das aufgepeitschte Salzwasser hatten Amerikas Urlaubsparadies in eine Geisterlandschaft verwandelt, voller umgeknickter Palmen und verdorrtem Schilf. Kotmaier, der als Kind mit seinem Onkel hier Krabben fischen gegangen war, erkannte die Keys nicht wieder. 

 Eddy Kotmaier ist mit zwei Schwestern auf einer Farm nahe der Kleinstadt Manchester, im US-Bundesstaat Maryland, aufgewachsen. Ab der dritten Klasse musste er morgens um halb fünf aufstehen und die Kühe melken. Seine Mutter nähte ihm Schulhemden aus den Baumwollsäcken fürs Hühnerfutter. Sein Vater erklärte ihm, dass er für ein Leben ohne Geldsorgen nur hart genug arbeiten musste. Nach diesem Credo hatte schon Kotmaiers Grossvater gelebt. Dieser war einst aus Deutschland nach Amerika übersiedelt. Heute weiss Kotmaier, dass die «unbegrenzten Möglichkeiten» eine Illusion sind. «Wo ich herkomme, da bleiben Arbeiter Arbeiter», sagt er. «Egal, wie sehr du dir den Hintern aufreisst.» 

 Nach der Highschool ging Kotmaier zu den Marines. Er lernte, mit einem M16-Sturmgewehr zu schiessen und in zwei Minuten sein Bett zu beziehen. Er glaubte, der Drill und das stundenlange Marschieren mit 25 Kilo Gepäck würden aus ihm einen harten Kerl machen. 

 1983 schickte man Kotmaier neun Monate nach Libanon, wo der Bürgerkrieg tobte. Er war vorgeschobener Beobachter, er grub sich hinter feindlichen Linien im Boden ein und funkte der Artillerie, wo sie hinfeuern soll. Einmal musste er zwei Tage in der glühenden Wüste ausharren, weil feindliche Truppen an ihm vorbeizogen. Fast wäre er verdurstet. Und fast hätten ihm die Greuel des Krieges den Verstand geraubt. Er spricht nicht gerne darüber.

Kotmaier wollte nicht wahnsinnig werden, also beschloss er, ins zivile Leben nach Maryland zurückzukehren. Von seinem Vater, einem Handwerker, lernte er, wie man Wände isoliert, Böden verlegt und Toiletten einbaut. Kotmaier verliebte sich in den Job. «Er gibt dir jeden Tag das Gefühl, etwas mit blossen Händen zu schaffen», sagt er. Seine Hände wurden seine Lebensversicherung. 

 Kotmaier baute Fast-Food-Restaurants von der Fassade bis zur Steckdose. Der Baseballclub Baltimore Orioles beauftragte ihn, die Stadionlogen mit Holzvertäfelungen zu verzieren. Für die Kongressbibliothek unter dem Capitol in Washington schraubte er Bücherregale zusammen. Manchmal fragt sich Kotmaier, warum er sich sein Leben lang geschunden hat, wenn er sich nicht einmal das Altwerden leisten kann.

 An einem sonnigen Morgen Mitte Januar schiebt Eddy Kotmaier einen Einkaufswagen mit zwei Eimern weisser Farbe über den Parkplatz von Home Depot, einem Baumarkt in Marathon, einer Stadt auf den mittleren Keys. Auf den Eimern steht in dicken Druckbuchstaben: «Let’s do this!» 

 Kotmaier ist Teil eines vier Mann starken Teams, das jede Woche sechs Tage auf Baustellen verbringt, oft von 8 bis 18 Uhr, die Mittagspause dauert genau ein Sandwich lang. Wind und Sonne haben sein Gesicht gegerbt, seine Hände sind rissig.

 Heute muss Kotmaier zum Bungalow eines ehemaligen Oberstleutnants der US-Luftwaffe, das Wasser stand in den Räumen einen halben Meter hoch und hat an den Wänden faulige braune Flecken hinterlassen. Kotmaier und seine Leute sollen das Haus entkernen, Laminat verlegen und die Wände streichen. Anderthalb Wochen haben sie Zeit.

 Kotmaier wuchtet die zwei Eimer Farbe auf die Ladefläche seines Pick-ups und fährt los. Er kommt nicht weit, eine der Bremsen versagt unter lautem Quietschen. «Verdammt, nicht heute», flucht er.  Im Schritttempo schafft es der Ford noch in die Einfahrt des Bungalows. Einer von Kotmaiers Kollegen nimmt sich der Panne an. Eine Bremsscheibe ist gebrochen. «Um die Ecke gibt’s Ersatzteile», sagt Tom. 

 Tom ist jener Bauunternehmer, der Kotmaier nach Florida geholt hat. Er besorgt die Aufträge und hat das Sagen. Er war elf Jahre Army-­Ranger und jagte für die US-Drogenvollzugsbehörde DEA im kolumbianischen Dschungel Kokainschmuggler. Jetzt ist er 57 Jahre alt und läuft leicht gebückt, weil ihm vor ein paar Jahren eine Betonwand aus dem dritten Stock eines baufälligen Hauses auf den Rücken geknallt ist. Tom sagt, er müsse arbeiten, solange es gehe, «damit die Gelenke nicht steif werden». Über Kotmaier sagt er: «Auf Eddy kannst du dich immer verlassen.» 

 Kurz vor dem Mittag drischt Kotmaier mit einem Hammer auf den Türrahmen im Schlafzimmer ein. Das Holz lässt sich nur schwer aus der Wand lösen, die Nägel sitzen tief. Kotmaier rinnt der Schweiss übers Gesicht, es ist schwül.

 Der Job sei noch einer der leichteren, sagt er. «Dämmmaterial aus der Wand reissen ist beschissener. Da fliegen überall diese Glaswollefasern durch die Luft. Juckt furchtbar auf der Haut.» Ein Kollege im roten Holzfällerhemd ruft: «Wände glätten ist auch Kacke.» Kotmaier nickt. Nach der Arbeit mit der Schleifmaschine, mit der er unebene Betonflächen glättet, sehe er immer aus, als hätte man einen Eimer Babypuder über ihm ausgekippt. Er lacht, wenn er das erzählt. Galgenhumor gegen die täglichen Übel des Jobs. 

Kotmaier hat sich auf dem Bau noch nie ernsthaft verletzt. Das sollte auch besser so bleiben, denn er besitzt keine Krankenversicherung. Die würde 1300 Dollar im Monat kosten. Beim Allgemeinarzt war er das letzte Mal 1979. Wenn er eine Krone erneuern lässt, zahlt er cash.

 Kotmaier verdient 35 Dollar die Stunde, viele Jahre musste er mit weniger haushalten. Das meiste seines Wochenlohns, den er bar ausgezahlt bekommt, tauscht er auf der Post gegen 500-Dollar-Checks. «So gebe ich weniger für Bier aus», sagt er. Mindestens 1000 Dollar überweist er mit Western Union jede Woche nach Hause. 

Seine Frau braucht das Geld. Sie geht nicht arbeiten und pflegt rund um die Uhr Kotmaiers 83-jährige demente Mutter. Kotmaier hat Angst, dass sie ihn irgendwann nicht mehr erkennt. Er sagt, für ihn habe immer festgestanden: Wenn die Mutter nicht mehr kann, kümmern er und seine Frau sich um sie. «Mom hat uns früher bekocht. Jetzt sind wir dran.»

 Eddy Kotmaier hasst es, sich um die Zukunft zu sorgen. Das bringe so viel, wie bei Sonne mit Schirm herumzulaufen und darauf zu warten, dass es regnet. Lieber klotzt er ran. Er verdrängt die Ungewissheit, weil er glaubt, auf diese Weise zufriedener leben zu können − selbst wenn das in Wahrheit nicht funktioniert. 

Am frühen Nachmittag kommt Tom mit rotem Kopf in den Bungalow gestürmt und verkündet: «Schluss mit der Arbeit für heute.» Die Bauaufsicht sei gerade da gewesen. Die Baugenehmigung fehlt.

«Wo ist der Schrieb?», will Kotmaier wissen.

«Wird noch bearbeitet», nuschelt Tom. 

«Wie hat die Bauaufsicht das rausgekriegt?», fragt Kotmaier. 

«Die Nachbarn haben sich bei den Behörden über den Lärm beschwert.»

Kotmaier kickt eine leere Cola-Dose in die Ecke. Nur ein halber Tag Arbeit bedeutet nur einen halben Tag Bezahlung. Er will seinen vollen Lohn. «Nicht meine Schuld, dass du bei der Genehmigung geschlampt hast», blafft er Tom an. Zumindest ist die Bremse seines Pick-up-Trucks inzwischen repariert. 

Es ist nicht das erste Mal, dass etwas schiefläuft. Direkt nach seinem Anfang in Florida bekam Kotmaier zwei Wochen lang kein Geld. Kotmaier fühlte sich betrogen. Er wollte schon heimfahren. Dann dachte er an die Raten für das Haus. Und an seine kranke Mutter. 

 Um kurz nach zwei zuckeln Kotmaier und seine Kollegen im Pick-up-Truck über die Seven Mile Bridge. Im Radio läuft Country-Musik: «I like beer, it makes me a jolly good fellow.» Kotmaier pfeift zum Takt und sagt: «Jetzt ein kaltes Bier, darauf kannst du einen lassen.» Es ist sein Trost an diesem Tag.

Als Kotmaier zur Fishing Lodge einbiegt, kommt ihm ein Weissbärtiger in kurzärmeligem Hawaiihemd, Kaki-Shorts und Turnschuhen entgegengeradelt. «What a sunny day», ruft er und nickt Kotmaier fröhlich zu.

Die meisten Gäste auf dem Campingplatz sind Pensionäre, die tagsüber angeln gehen und abends Bingo spielen. Menschen, die sich den Ruhestand leisten können. Sie residieren in klimatisierten, mit Flachbild-Fernsehern ausgestatteten Wohnwagen, die «Dreamer» oder «Freedom Express» heissen. 

Kotmaier haust in einem zwei mal drei Meter grossen Zelt, in dem er nicht aufrecht stehen kann und in das der Wind ständig Sand bläst. Er teilt sich eine fleckige Matratze mit einem jüngeren Arbeitskollegen aus Ecuador. Privatsphäre gibt es nur unter der Dusche oder auf dem Klo. Pro Nacht zahlen sie zusammen 58 Dollar für den Stellplatz. Das knappe Angebot an Unterkünften auf den Keys hat die Preise in die Höhe getrieben.

 Dan Melton, 64, und seine Frau Mary, 62, müssen keine Stellplatzgebühren zahlen. Sie wohnen zwei Inseln weiter auf einer Baustelle. Ihr Wohnwagen steht neben einem leeren Holzhaus auf Betonstelzen, in dessen Aussenwand ein riesiges Loch klafft, als wäre dort eine Abrissbirne eingeschlagen. Das Grundstück gehört Meltons Chef, dem Besitzer einer Baufirma. Der lässt sie dort campieren, solange Dan für ihn arbeitet. 

Am späten Nachmittag sitzt Dan im Klappstuhl vor seinem Wohnwagen und nimmt einen tiefen Zug von seiner Pfeife. «Gras ist das Einzige, was gegen die Schmerzen in den Gelenken hilft», sagt er.

 Dan hat gerade neun Stunden in einem Krankorb gestanden und mit einer Nagelpistole ein Dutzend Windbretter an der Unterseite eines Giebels befestigt. 80 Nägel für eine 60 mal 200 Zentimeter kleine Planke. Klick, klick, klick. Er kann das Geräusch nicht mehr hören. Für jeden einzelnen Nagel musste er die Arme nach oben strecken, jetzt ist sein Nacken steif, die Schultern brennen. «Diesen Job müsste ein junger Kerl machen», sagt er. «Aber habe ich eine Wahl?»

 Dan hätte nie geglaubt, dass er mit 64 noch arbeiten muss. Er wurde in der Nähe von Chicago geboren und baute mit zwei Partnern in Denver im US-Bundesstaat Colorado eine Firma mit 256 Mitarbeitern auf. Das Unternehmen fertigte Holzbauteile für Türen, Fensterbänke und Böden. Jahresumsatz: 25 Millionen Dollar.

2006 platzte die Immobilienblase, keiner wollte mehr Häuser kaufen. Diejenigen, die welche besassen, konnten sich die gestiegenen Kreditzinsen nicht mehr leisten. «Viele Kunden schulden uns bis heute Millionen an Materialkosten», sagt Dan. 2009 ging seine Firma pleite. Danach hatte er die Schnauze voll von Profitgier und 16-Stunden-Tagen.

 Dan trennte sich von seiner damaligen Frau, die nur ihre Karriere im Kopf hatte, wie er sagt, und zog nach Pompano Beach, ein grünes Strandstädtchen, 60 Kilometer nördlich von Miami. Er kaufte sich ein zehn Meter langes Segelboot und ging tiefseefischen. Von früh bis spät zog er Schnapper und Speerfische aus dem Wasser. Monatelang nur er und das Meer. «Ich brauchte das, um mit dem Verlust der Firma klarzukommen», sagt er.  Dan genoss die Seeluft und trug keine Uhr mehr. Wenn er nicht fischen ging, sprang er in den Rocky Mountains mit einem Fallschirm von Felsvorsprüngen, abends hing er in Bars ab und betrank sich. Irgendwann hatte er genug. «Ich war enttäuscht davon, was aus mir geworden war.» Sein Erspartes war fast weg, die Kreditkarten ausgereizt.

Dan fehlte eine Vision fürs Leben und eine Frau an seiner Seite. Er wollte nicht allein alt werden. Sein Friseur in Pompano Beach erzählte ihm von einer Kundin, Mary. Sie arbeite in einem irischen Pub, er solle sie mal besuchen. Dan war skeptisch. Er ging trotzdem hin, sprach Mary an, sie trafen sich zum Dinner, er fragte sie nach ihren Lieblingssongs. Beim zweiten Date spielte er Mary auf der Gitarre das Liebeslied Better Together von Jack Johnson vor. «Damit hatte er mich», ruft sie aus dem Wohnwagen.

 Mary hat dunkelblond gefärbte Haare bis zur Schulter, ihr Lachen öffnet Herzen. Sie ist geschieden und hat ihren mittlerweile erwachsenen Sohn allein grossgezogen. Mary sagt, sie habe den Pub geliebt, aber irgendwann habe sie die ewig gleichen Geschichten betrunkener Männer sattgehabt, ausserdem sei die Bezahlung mies gewesen. Für die Rente konnte sie kaum etwas zurücklegen. 

 Sie und ihr Mann grübelten lange, wie sie in Zukunft leben sollten. «Eine Idee haben wir hier drin gefunden», sagt Dan und klappt seinen Laptop auf. Er klickt bei Youtube auf eine Motivationsrede des US-­Entertainers Steve Harvey. Der spricht davon, im Leben etwas zu wagen. «Just jump», rät er seinen Zuschauern und ballt die Faust. «Mary und ich haben uns dann in die Augen geschaut und entschieden, zu springen», sagt Dan.

Mary kündigte, beide lösten ihre Wohnungen auf und schlossen ihre Möbel in einem Lagerhaus in Containern ein. Von ihrem letzten Geld kauften sie einen Wohnwagen, neun Meter lang, 25 Quadratmeter Wohnfläche, mit Küchenzeile, Duschzelle und Mini-Schlafzimmer − für  23 000 Dollar.

Der Händler gratulierte ihnen zum Schnäppchen und sagte, sie sollten froh sein, immerhin könnten sie sich jetzt die Miete sparen. «Als wir das erste Mal im Wohnwagen schliefen, fühlten wir uns wie Versager. Wie Menschen, die in ihrem Leben nichts erreicht haben», sagt Mary. «Aber wir wissen, dass das natürlich Quatsch ist. Was willst du gegen eine Finanzkrise machen? Und hätte ich mich eher nach einem anderen Job umgeschaut, wäre meine Lage jetzt vielleicht auch eine andere.» Der amerikanische Traum, findet sie, «ist eben auch Glückssache».

Vergangenen Sommer meldete sich Dan in Online-Jobportalen für «Workamper» an, Arbeiter, die campen oder im Wohnwagen leben.  Er fand eine Anzeige von Amazon, sie suchten Leute für ihr «Camper Force»-Programm. «Work hard, have fun, make history», stand in der Annonce – arbeite hart, hab Spass, schreib Geschichte. 

 Der Versandhändler lässt während des Vorweihnachtsgeschäfts von August bis Mitte Dezember Tausende Saisonarbeitskräfte in riesigen Lagerhäusern Pakete scannen, sortieren und verpacken. Von Montag bis Samstag, für 10 Dollar 75 pro Stunde. In seinem Newsletter verspricht Amazon «neue Freunde» und «eine tolle Zeit am Lagerfeuer». Den Stellplatz für das Wohnmobil zahlt der Versandhändler.

 Dan und Mary glaubten, einen Versuch sei es wert. Sie schickten Bewerbungen an Amazon samt geforderten Urinproben, die belegen sollten, dass sie keine Drogen nehmen. «Allein das ist eine Unverschämtheit», sagt Dan. Dann spannten sie ihren Toyota-­Sequoia-Pick-up vor ihren Wohnwagen und fuhren 2000 Kilometer nach Haslet, Texas. 

Die Campingplätze in der Nähe des Lagerhauses waren schon belegt, also parkten sie ihren Wohnwagen in einem Caravanpark, etwa 55 Kilometer weiter nördlich. Um pünktlich um sechs Uhr zur Frühschicht zu kommen, mussten sie um vier Uhr aufstehen. «Wir fuhren in der Dunkelheit los und kamen in der Dunkelheit zurück», erzählt Mary.

Als die beiden das erste Mal im Lagerhaus standen, staunten sie: ein Areal, 19 Fussballfelder gross, mit kilometerlangen Fliessbändern, die sich unter lautem Rattern durch ein Labyrinth von meterhohen Regalen schlängelten. Auf dem Boden markierte grünes Klebeband, wo die Arbeiter entlanglaufen sollten. «Hatte etwas von einem Brettspiel», sagt Dan. «Eines, das du nicht gewinnen kannst.» Zu Schichtbeginn, so erzählt er, rief eine Frau mit blondem Pferdeschwanz und greller Stimme «Hellooo, Campers!». Von den 20 Campern waren fast alle über 60 Jahre alt und grauhaarig. Um ihre müden Glieder in Schwung zu bringen, turnte ein Amazon-Mitarbeiter ihnen Dehnübungen vor. Dann schickte er die Camper zu ihren Stationen. 

Mary sass auf einem Drehhocker am Fliessband. Ihre Aufgabe war es, Kartons vom Band zu nehmen, sie zu öffnen und die Artikel für die Inventur mit einem Handscanner zu registrieren. Gescannte Produkte packte sie in gelbe Plastikcontainer. Darunter monströse Dildos und Gummi-Kakerlaken. Sie wunderte sich, wofür die Leute Geld ausgaben. 

Dan war ein sogenannter «Stower», ein Verstauer. Er rollte mit Wagen, die mit Waren bepackt waren, durch das Lagerhaus und sortierte die Artikel in Regale ein. Ausserdem versorgte er die Packstationen mit neuen Plastikcontainern und leerte Mülltonnen. 20 Kilometer eilte er pro Schicht durch das endlose Gangsystem, wie ihm der Schrittzähler an seinem Handgelenk anzeigte.  

Schon am dritten Tag brannten seine Knie fürchterlich, trotz bequemer Turnschuhe hatte er dicke Blasen an den Füssen. Er sah ein Schild an der Wand des Lagerhauses, auf dem stand: «Prepare to be sore» − sei drauf gefasst, dass du Schmerzen haben wirst. Daneben ein Spender mit Schmerztabletten.

«Ihr könnt mich mal», dachte Dan. 

 Am nächsten Morgen fragte er die Angestellte mit der grellen Stimme, warum Amazon fast nur Alte diese Jobs machen lasse. Die Frau antwortete, betagte Menschen seien zuverlässiger und zäher als junge.  Was sie nicht sagte: Rentner sind für den Versandhändler schneller und in grösserer Zahl verfügbar, weil ihre Alternativen zum Geldverdienen beschränkt sind. Tausende von ihnen arbeiten in Amazons grossen Lagerhäusern, genaue Zahlen behält der Versandhändler für sich. Aus gutem Grund. Für die Beschäftigung von sozialhilfebedürftigen Menschen über 65 soll Amazon grosszügige Steuergutschriften des Staates kassieren.

Mary bekam vom ständigen Drücken des Handscanners eine Sehnenentzündung im rechten Zeigefinger. Irgendwann hielt sie das Stechen nicht mehr aus. Nach einer Woche, am Ende eines quälend langen Tages, trotteten sie und Dan erschöpft zum Ausgang des Lagerhauses, übergaben dem Security-Mann ihre Schlüsselkarten und fuhren davon. Die Meltons waren bitter enttäuscht. Sie fragten sich, ob ihr Land arbeitssuchenden Senioren nichts Besseres zu bieten habe. «Dann sind wir zurück nach Florida gefahren», sagt Dan und zieht die Visitenkarte seines neuen Arbeitgebers aus der Hosentasche. Den Bauunternehmer hat er in einem Online-Magazin für Wanderarbeiter gefunden. «Die haben wegen des Hurrikans volle Auftragsbücher für die nächsten Jahre!» Dass er jetzt nicht mehr Chef einer Firma, sondern Angestellter ist, kann er verkraften, weniger Verantwortung habe auch was. Wäre nicht das Verletzungsrisiko.

Eine Krankenversicherung sei bei 25 Dollar Stundenlohn nicht drin, sagt Dan. Er beisst in einen Apfel und sagt: «Uns bleibt nichts anderes übrig, als gesund zu leben.» Um das Geld fürs Mittagessen zu sparen, kochen sie Mahlzeiten im Schongarer vor. Favorit ist momentan geschmortes Hühnchen mit Aprikose und Ingwer. 

 Dan steht von seinem Klappstuhl auf und schlurft zu einem Gasgrill. «Luxus», sagt er. «Als wir hier ankamen, hatten wir nicht einmal einen Wasseranschluss.» Er musste den Wohnwagen mit Rohren aus dem Baumarkt an die Wasserleitung des Hauses anschliessen. «Campen heisst improvisieren.» Die Post lässt er sich per Nachsendeauftrag schicken. 

 Weil im Camper zu wenig Platz ist, verschenkte Mary schweren Herzens Dutzende Paar Schuhe und Kleider. «Mein Blick für die wichtigen Dinge im Leben hat sich geändert», sagt sie. «Alles Überflüssige fliegt raus.»

Töpfe und Pfannen lagern unter der Sitzbank in der Essecke, das Brot in der Mikrowelle, der Staubsauger im Bettkasten. Manchmal halten sie die Enge nicht mehr aus. Dann fahren sie in den Moose Club, eine gemeinnützige Organisation für Freizeitaktivitäten mit tausenden Clubhäusern überall in den USA. Dort spielen sie Brettspiele mit anderen Rentnern, denen es geht wie ihnen, und essen Tacos für drei Dollar.

 Als die Meltons auf den Florida Keys ankamen, hatte Mary keinen Job. Ihre grösste Angst war, dass das so bleiben würde. Sie wollte sich um alte Menschen kümmern, weil sie als Barfrau erlebt hatte, wie frostig die Gesellschaft mit Senioren umgeht. Die hatten dann bei ihr an der Theke gesessen und den Kummer mit Alkohol betäubt. «Unser Land hat den Respekt vor dem Alter verloren», sagt sie. 

 Mary stellte ihr Profil auf eine Online-Plattform, die Pflegekräfte vermittelt. Die Familie eines 94-Jährigen meldete sich. Er ist ein früherer Schriftsteller mit wachem Geist. Seine einstige Betreuerin hatte ihm nur Fertiggerichte erhitzt und kaum ein Wort mit ihm gesprochen. Mary kocht ihm Ravioli mit frischem Spinat, liest ihm die Zeitung vor, geht mit ihm zum Arzt, wäscht ihn. Er nenne sie «Engel», erzählt Mary und wird ein bisschen rot. 

 Vollzeitbetreuung ist anstrengend, lange wird Mary den Job nicht mehr machen können. Was danach kommt? «Keine Ahnung», sagt sie. Der Gedanke daran lasse sie nachts manchmal kaum schlafen. «Wer kümmert sich um uns, wenn wir mal nicht mehr können?» Mary versucht, lieber nicht daran zu denken. Auch sie arbeitet mit Verdrängung. Ein gängiger Selbstschutzreflex, um sich im Land der Optimisten den Glauben zu bewahren, dass im Leben irgendwann doch alles gut wird.

«Alt werden in den USA heisst heute, sehen, wo man bleibt», sagt Dan. Mit der ursprünglichen Idee, den Ruhestand im Schaukelstuhl zu geniessen, habe er abgeschlossen. Am meisten fürchte er, dass er länger lebe, als dass er für sich sorgen könne, sagt er: «So geht es vielen von uns. Und die Leute akzeptieren das einfach so. Keiner geht mehr auf die Strasse. Das ist frustrierend.»  Donald Trump habe vielleicht ein paar neue Jobs geschaffen, aber als US-Präsidenten könne er ihn nicht ernstnehmen. «Der Typ ist eine Schande für unser Land. Eine Witzfigur.» Von Trumps Steuersenkungen profitierten vor allem die Gutverdiener − wie er einst einer war. Jetzt steht er auf der anderen Seite. «Schon verrückt», sagt Dan. «Vom Firmenbesitzer zum Bauarbeiter in null Komma nichts.» 

Das Gefühl der Ohnmacht habe ihn nach dem Verlust seines Unternehmens lange gelähmt. Wie ein Schleier lag es über ihm. Vom amerikanischen Traum war nichts mehr übrig. Er fühlte sich betrogen vom Kapitalismus, vom amerikanischen Versprechen auf Wohlstand. Dann kamen die Zweifel. An den eigenen Fähigkeiten, an seinem Urteilsvermögen. Er habe sich gefragt, ob er die Finanzkrise nicht eher hätte kommen sehen müssen.

Heute weiss er, dass es müssig ist, darüber nachzudenken. «Weil es nichts ändert.» Jammern sei nicht sein Ding.  Dafür ist er zu stolz. Was ihm bleibt? «Die Erkenntnis, dass ich zum Glücklichsein weder ein Haus noch ein Boot brauche», sagt er. «Hätte ich früher nie geglaubt.»

Seinen Unternehmerinstinkt hat Dan nie verloren − genauso wenig wie die Zuversicht, vielleicht doch noch einmal Kasse machen zu können. Gerade tüftelt er an einer Geschäftsidee. Ein neues Insekten­spray, das gegen die winzigen Sandfliegen in Florida helfen soll und das er online vertreiben will. «Keine Baustelle mehr, nur Schreibtischarbeit», sagt er. «Das wär’s.» 

 Und Eddy Kotmaier? Der sitzt am Abend mit seinen Kollegen am Lagerfeuer in der Fishing Lodge. Ein Camper hat einen Grünen Leguan gefangen, den sie jetzt am Spiess braten. Kotmaier zieht ein Taschenmesser aus der Hosentasche und schneidet sich ein saftiges Stück Fleisch heraus.

 Er überlegt, wie lange er auf der Baustelle noch durchhält. Der Job auf den Keys mache ihm Spass, vor allem könne er so die Raten für sein Haus bezahlen. Nur spüre er die Plackerei jeden Tag mehr in den Knochen. 

 Er macht dem Staat keinen Vorwurf, dass er mit 65 noch arbeiten muss. «Ich hätte mein Geld cleverer anlegen können. Das habe ich nicht. Mein Problem.» Er erwartet keine Hilfe von seinem Land. Programme für die Altersvorsorge gebe es genügend. «Nur habe ich in guten Zeiten nichts eingezahlt. Jetzt muss ich mit dem klarkommen, was ich habe.» 

Viel mehr ärgert Kotmaier, dass er für seinen Lohn immer weniger kaufen kann. Früher habe er mit einem Stundenlohn von fünf Dollar ein Auto finanziert. Heute könne er lediglich die Werkstattkosten zahlen. Die Inflation der vergangenen Jahre hat Lebensmittel- und Spritpreise in die Höhe getrieben. «Da fühle ich mich vom Staat übers Ohr gehauen», sagt Kotmaier. «Alles wird teurer, aber wo bleibt die Gehaltserhöhung für den normalen Arbeitnehmer?» 

Kotmaier findet, dass der Beruf des Handwerkers von der Gesellschaft mehr Achtung verdiene. Oft höre er vom Kunden die Frage: Geht das nicht billiger? «Wie soll man so für die Rente sparen?» 

Er zieht ein knittriges Foto aus seiner Hemdtasche, darauf seine Tochter Rachel, der er das Studium bezahlt hat. Sie dient inzwischen in der US-Navy und lebt in Spanien. «Ich hoffe, sie kann uns unter die Arme greifen, wenn ich irgendwann nicht mehr arbeiten kann.» Sein Haus verkaufen würde er nie, sagt er. «Steckt zu viel Arbeit und Liebe drin.» 

 Bevor Kotmaier schlafen geht, klappt er sein Telefon auf und wählt die Nummer seiner Frau Mardy. Nach ein paar Sätzen holt er tief Luft und flüstert: «Schatz, sei nicht traurig, aber ich werde noch ein paar Monate in Florida bleiben.» Mardy seufzt, sie weiss, ihr Mann muss jetzt jeden Job nehmen, den er kriegen kann. «In Ordnung», sagt sie. «Wir schaffen das. Ich warte auf dich.» 

Kotmaier legt auf, er wirkt deprimiert. Sein Blick ist leer. Für einen wie ihn sind die Möglichkeiten in diesem Land alles andere als unbegrenzt.

 


 

Arme Alte in der Schweiz und Deutschland

Auch in Deutschland und der Schweiz wächst die Altersarmut. In Deutschland liegt mittlerweile jede zweite Rente unter 800 Euro monatlich, durchschnittlich erhalten Rentner gerade einmal 1050 Euro. Frauen sind häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Die Hälfte aller Rentnerinnen bezieht eine Niedrigrente, während es bei den Männern nur etwa 6 Prozent sind. Insgesamt liegt die Altersarmut bei rund 9 Prozent. Die Altersarmut in der Schweiz ist deutlich höher, bei über 23 Prozent. Auch in der Schweiz sind Frauen besonders betroffen. Laut Bundesamt für Statistik haben rund 20 Prozent der Männer, aber fast 40 Prozent der Frauen nur die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) als Rente, also nur eine der drei Säulen des Rentensystems.

 

Amazon bessert sich (ein bisschen)

«Wir haben unseren Kritikern zugehört, haben scharf über unser Vorgehen nachgedacht», erklärte Amazon-Chef Jeff Bezos im Oktober und machte publik, dass sein Unternehmen den Mindestlohn für Mitarbeiter in den USA auf 15 Dollar heraufsetzen werde. Der staatlich vorgeschriebene Mindestlohn in den USA liegt bei 7,25 Dollar pro Stunde. Auch in Grossbritannien zahlt der Konzern ab November mehr Geld. Für Deutschland sind solche Veränderungen bis jetzt nicht in Planung. Der Konzern erzielte im zweiten Geschäftsquartal 2018 einen Gewinn von 2,5 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs auf 52,9 Milliarden Dollar – das ist eine Steigerung um fast 40 Prozent. Amazons Marktwert beläuft sich mittlerweile auf eine unglaubliche Summe: über 1000 Milliarden Dollar.

 

Autor

Um so nah wie möglich am Leben der Protagonisten zu sein, mietete sich Matthias Fiedler für die zweiwöchige Recherche selbst einen Campervan. Er nächtigte neben Baustellen und auf dem Zeltplatz. Unterwegs duschte er in Raststätten und schlief auf Parkplätzen vor Supermärkten. Das sei am sichersten, hatte man ihm gesagt. Mit Ruhestörung hatte er allerdings nicht gerechnet. Eines Nachts lieferten sich Jugend­liche in Sportwagen ein wildes Verfolgungsrennen um Fiedlers Stellplatz herum. Den Geruch von verbranntem Gummi konnte er bis in seinen Kleinbus riechen.

 

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