Schach dem Slum

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Als Neunjährige spielt sich Phiona Mutesi aus Uganda Zug um Zug in die Königsklasse.

Tim Crothers

Ende September fliegt Phiona Mutesi mit neun Mannschaftskameradinnen nach Sibirien, alle über zwanzig und viel älter als sie. Als Phiona das Match gewann, das ihr den Platz in diesem Flugzeug sicherte, hatte sie keinen blassen Schimmer, was das bedeutete. Niemand hatte ihr zuvor gesagt, was auf dem Spiel stand, und so spielte sie wie immer. Sie hatte keine Ahnung, dass sie sich für die Olympiade qualifiziert hatte; keine Ahnung, was die Olympiade überhaupt war. Sie wusste nicht, dass ihr Sieg sie in die Stadt Chanty-Mansijsk im fernen Russland führen würde; ja nicht einmal, wo Russland überhaupt lag. Als sie das alles erfuhr, stellte sie nur eine Frage: «Ist es kalt dort?» Jetzt reist sie mit ihren Landsleuten siebenundzwanzig Stunden quer über den Globus. Und obwohl sie viele von ihnen seit ein paar Jahren kennt, weiss keiner der Mitreisenden, woher sie kommt oder wohin es sie zieht, denn Phiona Mutesi stammt aus einem Ort, wo Mädchen wie sie nicht über solche Dinge sprechen

 

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