Verbotene Bücher

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Die Buchpiraten Limas stehlen geistiges Eigentum. Dank ihren Raubkopien lesen Peruaner mehr.

Ruedi Leuthold

«Samuel wartet», sagt Jorge Torres. Endlich, denn wir wollen uns mit einem Capo der peruanischen Buchmafia treffen, mit einem dieser Piraten, die das Buchgewerbe in den Ruin treiben.

Deshalb verlassen wir jetzt die Calle Amazonas und biegen in die Avenida Abancay ein, östliche Grenze der historischen Stadt, sechsspurig hupende, stinkende Hölle. Der Strom der Fussgänger windet sich an den blondierten Transvestiten vorbei, die mit ihren Sesseln den Gehsteig okkupieren. In den Abgasschwaden der alten Dieselbusse knüpfen sie Kunsthaar zu Perücken. «Haarverlängerungen, Haarteile, Zöpfe», preist ihr Schild, «Perücken für Heilige, Jungfrauen, Clowns und Schauspieler. Man appliziert Rossschwänze, Haarknoten, Schnurrbärte und Bärte.» Drinnen sitzt eine Indiofrau regungslos im Coiffeurstuhl, sieht sich im Spiegel um ihr hüftlanges schwarzes Haar ärmer werden, 80 Soles bekommt sie, knapp dreissig Franken.

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