Was geschah in Harlow?

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Der Autor geht einem Mordfall in seiner Heimatstadt nach und blickt in den Spiegel der englischen Gesellschaft.

Jason Cowley

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Die drei Männer hatten bereits mehrere Stunden lang tief ins Glas geschaut, als ihr Weg sie schliesslich zu «The Stow» führte, einem Einkaufszentrum im englischen Harlow. Es war kurz vor Mitternacht an einem warmen Wochenende im August, und Arkadiusz Jóźwik und seine beiden Begleiter – Polen wie er – waren erschöpft und hungrig. Harlow ist eine von Schwierigkeiten geplagte Stadt in der Grafschaft Essex, nordöstlich von London. Jóźwik und seine Begleiter lebten und arbeiteten hier. Er hatte im Take-away eingekauft und setzte sich auf eine Mauer, um die Pizza zu essen. In dem Moment bemerkten die Männer eine Gruppe von Jugendlichen ganz in der Nähe, ein paar von ihnen auf Fahrrädern. Die Jungs, gerade einmal fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, kamen näher. Es wurde laut, feindselig, einer stachelte den anderen an, die Lage eskalierte. Einer der Jugendlichen verliess die Clique und schlich sich zu Jóźwik herüber. Sein «Superman-Hieb», wie man ihn später vor Gericht nennen würde, traf Jóźwik am Hinterkopf.

Jóźwik stürzte – vielleicht, weil er betrunken war, vielleicht auch, weil er Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht hatte – und schlug mit dem Kopf auf den Bürgersteig, woraufhin die Jugendlichen in Panik gerieten und wegrannten. Jóźwik war bewusstlos, und Blut lief ihm aus den Ohren, er wurde ins Krankenhaus gebracht.

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