Was seither geschah #1 : «Sarah»

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Acht Jahre nach dem Tod seiner Tochter erzählt Jörg M., wie er damit lebt.

… was seither geschah

Erwin Koch

Im Knochenmark Ihrer Tochter sind Zellen, die dort nicht hinein­gehören – 19. Dezember 2007, Kinderspital Luzern.

Was heisst das?, fragt der Vater.

Dass Sarah Leukämie hat, Blutkrebs.

Sarah ist vierzehn. Wenn sie wieder gesund ist, will sie zuerst zwei Katzen und dann nach Amerika.

40 mg Prednison. Dann 30 mg. 20 mg. 12 mg Methotrexat i. th.

Eine Katze wird Luna heissen, die andere Mickey. Sarah verliert ihr Haar, sie lacht und weint, die Mutter sitzt an ihrem Bett, wochenlang, drei Jahre lang. Ab und zu darf Sarah nach Hause, geht wieder zur Schule, streitet sich mit ihrer Schwester, Sarah ist müde, geht wieder ins Spital, nach Hause, ins Spital.

Ich will nicht, dass an meinem Bett jemand heult.

Einmal sitzen beide Eltern bei ihr, Sarah sagt zur Mutter: Sag dem Typen neben dir, er soll verduften.

Im Sommer 2010, Sarah ist gesund, reist die Familie nach Amerika, Washington, Philadelphia, Denver, San Francisco, Atlanta. Sarah wird bei einer Gastfamilie bleiben, ein wunderbares Jahr lang.

Mami, sagt Sarah, heute geht es mir beschissen.

Am 28. Juli 2010 fliegen Sarah und ihre Mutter von Salt Lake City nach San Francisco, von dort nach Zürich, vom Flughafen direkt ins Kinderspital Luzern, 2 West 226, der Vater und die Schwester folgen zwei Tage später.

Das ist kein Rückfall, sagen die Ärzte, sondern eine Zweiterkrankung, bedingt durch die Chemotherapien gegen die erste, die Heilungschance liegt bei fünfundzwanzig bis fünfzig Prozent – falls wir, für eine Transfusion, geeignetes Knochenmark finden.

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