Was seither geschah #29 : «Rettet das Olivenöl!»

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Das Bakterium Xylella fastidiosa, einer der weltweit gefährlichsten Pflanzenschädlinge, hat die Olivenbäume im Süden Italiens befallen. Die EU befahl radikale Fällaktionen. Konnte sie sich durchsetzen?

...was seither geschah

Christian Schmidt

«Nichts als schlechte Nachrichten.» Es ist August 2018, Daniele Rielli besucht gerade seinen Papa in einem kleinen Dorf im Salento, dem südlichsten Teil Apuliens. Allerdings bezieht sich Rielli nicht auf die Gesundheit des Vaters, er meint dessen Olivenbäume. Die er eines Tages erben wird. So wie sie der Vater geerbt hat. Auch von seinem Vater.

Die Bäume sind krank. Seit 2013 die ersten Schäden sichtbar geworden sind, verwandelt sich der Absatz Italiens mehr und mehr in einen Friedhof. Die elf Millionen Olivenbäume – einige über tausend Jahre alt – sterben dahin, in Reih und Glied, so wie sie einst gepflanzt worden waren. Kahle Äste recken sich in den Himmel. Ein Gegenmittel gibt es nicht.

2015 reisten Rielli und ich gemeinsam durch die Gegend und recherchierten die Hintergründe der Olivenpest. Rielli ist einer der erfolgreichsten jungen Schriftsteller Italiens, liebt seine Heimat und ist nie ohne eine Flasche des eigenen Öls unterwegs. Wir besuchten Olivenbauern, die weinend in ihren Hainen standen und den Tod ihrer «Söhne» beklagten. Wir sprachen mit Politikern, Bauern und Beamten und hörten die unterschiedlichsten Erklärungen. Etwa: Xylella fastidiosa sei die Rache Gottes, weil Apulien einen homosexuellen Präsidenten gewählt habe. Oder: Monsanto verbreite die Pest, um hier in einer Art Grossraumlaboratorium gentechnisch veränderte Sorten zu testen. Oder: Grossgrundbesitzer würden mithilfe von Xylella die geschützten Haine roden, um Raum für Hotelanlagen zu schaffen. Es gab keine Vermutung, die es nicht gab.

Seither sind drei Jahre vergangen, und die Dinge entwickeln sich, wie von Rielli damals prognostiziert. Das Bakterium verbreitet sich unaufhaltsam weiter. Von Gallipoli ist es bereits über hundert Kilometer weiter Richtung Norden gelangt, hat die Provinz Bari erreicht und damit den Absatz überwunden. Nun hat es freie Bahn.

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