Was seither geschah #32 : «Freundin bis zur Kasse»

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In «Freundin bis zur Kasse» ging es um eine Frau, die Leere in sich fühlt. Als Promoterin verkauft sie Waren, die keiner braucht. Und fragt sich: Kann man Menschen wie Dinge konsumieren?

... was seither geschah

Bettina Schaffhaus

Es passiert nicht oft, aber hin und wieder muss ich etwas Elektronisches kaufen. Dann betrete ich einen dieser Riesenelektrofachmärkte mit Neonlicht und ohne Fenster. Ich würde solche Orte gern meiden. Aber es gibt so gut wie keine kleinen Geschäfte mehr, in denen ich eine Festplatte oder ein HDMI-Kabel bekommen könnte. Also überwinde ich mich. Ich weiss nicht genau, was es ist, aber mir kommt das Neonlicht viel greller vor als früher. Meine Haut reagiert darauf. Ich muss nach spätestens zwanzig Minuten den Laden verlassen. Damals, als ich an drei Tagen in der Woche im Elektromarkt stand, konnte das Licht meiner Haut nichts anhaben. Ich war 26 Jahre alt und finanzierte mein Studium als Verkäuferin überteuerter Hi-Fi-Anlagen, das ist nun zehn Jahre her.

Die Kälte, die Leere und die Langeweile, die ich als Teil dieser Konsummaschine erlebte, haben mich geprägt. Bis heute bin ich dankbar, dass ich diese Erfahrung in mir herumtragen darf. Warum? Das mag theatralisch klingen, aber: Mir ist damals klar geworden, dass es eine Illusion ist, im Aussen etwas konsumieren zu können, das die Leere in uns (ebenfalls eine Illusion) füllen kann. Seien es Dinge oder Menschen.

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