Was seither geschah #40 : «Frauendämmerung»

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Eine junge Reporterin aus Berlin besorgt sich eine Abaya und reist nach Riad, um zu sehen, wie die Frauen dort wirklich leben. Sie muss feststellen: Nichts ist so wie erwartet.

… was seither geschah

Esther Göbel

Ich erinnere mich noch, was das vorherrschende Gefühl während meiner Recherche in Riad war, abseits meines grossen Staunens: Ich fühlte mich, als würde ich durch Nebel waten.

Im November 2017 reiste ich nach Saudiarabien, als Feministin, die mit eigenen Augen jene Frauen sehen wollte, die von den Reformen am meisten profitierten, die ein gewisser Kronprinz Mohammed bin Salman im Königreich eingeleitet hatte. Es war eine Zeit, in der der Westen hoffnungsvoll nach Saudiarabien blickte, man traute dem jungen Kronprinzen, kaum älter als 30 Jahre, viel zu. Die Berichterstattung war wohlwollend, von einer «leisen Revolution durch Frauenhand» war in manchen Medien gar die Rede. Und tatsächlich: Die Frauen, die ich für meine Recherche traf, hatten wenig gemein mit dem Opferbild, das ich mir in meinem westlichen Kopf zusammengezimmert hatte vor meiner Abreise. Da war Maha, die den ersten Co-Working-Space für Frauen mitten in Riad gegründet hatte, eine 38-jährige Frau mit einer Zielstrebigkeit und Energie für zwei, oder Ghalia, 24, die bei Maha einen Schreibtisch mietete, gern in Jogginghosen plus pinkem Pulli im Büro sass und gerade zum ersten Mal schwanger war.

Ich traf weitaus mehr Frauen als nur die beiden. Einige beeindruckten mich, alle berichteten mir, dass sich tatsächlich gerade sehr viel änderte. Das System der männlichen Vormundschaft, das die saudische Gesellschaft durchzieht, lockerte sich, Frauen gründeten plötzlich Startups, Stadien und Konzerthallen sollten sich auch für weiblichen Besuch öffnen, der Führerschein für Frauen wurde eingeführt. Eine Aufbruchstimmung war spürbar.

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