Was seither geschah #44: «Ich bleibe in Afrika»

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Lamin Jarjou verlässt trotz harter Bedingungen sein Dorf in Gambia nicht, um sein Glück in Europa zu suchen. Stattdessen hat er sein Glück in Afrika vermehrt.

… was seither geschah

Juliane Schiemenz

2018 reiste ich nach Sanyang, ein Dorf in Gambia, Westafrika. Ich besuchte Lamin Jarjou, einen Bauern, den ich knapp zehn Jahre zuvor in ebendiesem Dorf kennengelernt und seither nicht mehr gesehen hatte. 2009 hatten Lamin und ich über seine Vorstellungen von Europa und meine Vorstellungen von Afrika gesprochen, auf beiden Seiten mit einer tüchtigen Portion Naivität. Ich hatte ihm erklärt, warum es ihn wahrscheinlich nicht glücklich machen würde, nach Deutschland zu kommen – zumal er schon damals bereits 37 Jahre alt war und Frau und Kinder hatte. In Lamins Kopf hatte sich die Vorstellung festgesetzt, dass es in Deutschland auf jeden Fall besser sein müsse als in seinem Dorf. Selbst wenn er einsam mit Sozialhilfe im Plattenbau hocken würde. In meinem Kopf wiederum war die Überzeugung verankert, dass sein Dorfleben mit der Familie am Strand unter Palmen auf jeden Fall der deutschen Tristesse und Strenge vorzuziehen sei.

Die abendlichen Gespräche am Lagerfeuer, unser intensiver Austausch blieben im Gedächtnis. 2018 besuchte ich Lamin, um über die Motive von Wirtschaftsflüchtlingen anhand von ihm, dem «Nichtflüchtling», zu schreiben. Nach dem Erscheinen des Textes meldeten sich einige Leserinnen und Leser bei mir und äusserten den Wunsch, Lamin und seine Familie zu unterstützen. Ich organisierte den Kontakt, die Leute überwiesen ihm Geld, mit dem er Lebensmittel kaufen konnte. Lamin schickte mir Fotos und überschwängliche Dankesbotschaften, ich freute mich sehr, dass er sich freute.

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