Wein aus Nordeaux

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Tempranillo aus Frankreich, Bordeaux aus Deutschland und Riesling aus Dänemark. Der Klimawandel macht’s möglich.

Fabian Federl

Agnès Destrac-Irvine, Doktorin der Agrarwissenschaften, eine kleine, schmale Frau, die roten Haare mit der Sonnenbrille zurückgenommen, wartet ungeduldig im Foyer des Instituts für Wein und Reben in der westfranzösischen Stadt Bordeaux. Destrac-Irvine ist nervös. Der heutige Tag wird nicht nur ihre Zukunft bestimmen und die ihrer Heimat­region. Sondern auch die Zukunft des Weins, der dort wächst.

Eine Delegation der filière bordelaise betritt das Institut in diesem Frühsommer 2011. Die filière ist so etwas wie die Weingenossenschaft der Region, ihre Mitglieder sind die Gralshüter des Weins. Sie entscheiden, was einen Bordeaux zum Bordeaux macht, welche Terrains, welche Rebsorten, welche Weingüter. Alle Massnahmen, die Agnès Destrac-Irvine plant, um die drohende Katastrophe abzuwenden, müssen von der filière gutgeheissen werden.

Sie begrüsst die Delegation, 30 Önologen und Winzer, führt sie durch den weiten Beton- und Glasbau, vorbei an Artefakten historischen Weinbaus, vorbei an einer Skulptur eines Rebstocks. In einem Konferenzsaal mit Blick auf die Felder vor dem Institut setzen sie sich. Destrac-Irvine klickt den Projektor an, eine Präsentation an der Wand zeigt ihre ersten Analysen. Unmissverständlich: Die beiden Vorschläge der filière reichen allein nicht aus. Vorschlag eins, verbessertes Management der Weingüter, kann 20 Prozent der Auswirkungen auffangen. Sonnensegel spannen, Bewässerungsanlagen in den Boden bohren, Kühlsysteme anbringen oder, wie es ein Winzer im vergangenen Jahr tat, seine Reben mit einem Helikopter bewässern und auf diese Weise kühlen. «Weder nachhaltig noch bezahlbar», sagt Destrac-Irvine. Vorschlag zwei, die genetische Lösung, nützt sogar noch weniger. Für das Verfahren der Veredelung, also eine Rebe mit dem Wurzelsystem einer besser angepassten zu verbinden, sei es zu spät. Aber, sagt Destrac-­Irvine, sie habe da noch eine andere Idee. Ob die Damen und Herren die denn hören wollten.

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