Wieso Zoé gehen musste

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Das Personal trägt weisse Schuhe: Turnschuhe, Gesundheitsschuhe, Plastikschuhe.

Mireille Zindel

Der Ablauf sieht so aus: Ich betrete das Kinderspital durch eine automatische Schiebetür aus Glas. Draussen ein runder Vorplatz, wo die Taxis warten, Bänke bei Blumenbeeten zum Sitzen einladen. Drinnen zur rechten Seite der Empfang, zur linken die Glastür mit der Aufschrift: «Intensivstation A». Öffne ich die Tür zur Intensivstation, befinde ich mich in einem langen, tunnelartigen Schlauch ohne Tageslicht, mit seitlich abgehenden Zimmern, dessen Türen geschlossen sind. Mein Blick fällt auf eine Tafel am Ende des Flurs mit der Aufschrift «Schockraum». Das unangenehme Gefühl verstärkt sich. Auch wenn ich keine Assoziationen zu «Schockraum» habe, weiss ich instinktiv, dass ich diesem Wort lieber nicht begegnet wäre. Ich wäre lieber nicht hier. Ich wäre mit meinem Kind lieber woanders. Aber offenbar hat es mich erwischt. Ich bin drangekommen.

Fernsehbilder von brennenden Flugzeugen und Menschen an Flughäfen, die ihr Gesicht in den Händen vergraben, tauchen in mir auf. Ich zähle mich zu den Menschen in diesen Bildern, obwohl das keinen Sinn hat. Vielleicht, weil ich mein eigenes Leid noch nicht einzuordnen weiss. In Sekundenschnelle rattert mein Hirn Bilder des Leides ab: ein Sarg, der in eine Grube hinabgelassen wird, Geräte, die an Menschen befestigt werden … Ich friere, obwohl es nicht kalt ist. Es riecht nach Desinfektionsmittel.

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