Reportagen live in München

Der preisgekrönte Autor Nik Afanasjew besucht Babylon.

Nur liegt sein Babylon nicht im heutigen Irak, sondern an der tschechisch-deutschen Grenze. Aber an Sünde und Dekadenz kann das wenige hundert Einwohner zählende Dorf locker mit dem Original mithalten: Fünf pompöse Casinos, zahlreiche Spielhallen und sieben Bordelle erleuchten die Nächte. 

Simon sitzt am Tresen eines der Bordelle. Frauen, die wenig anhaben, und Männer, die viel vorhaben in dieser Nacht, laufen durch den Laden, trinken Bier und Sekt. Viel Deutsch ist zu hören, etwas Arabisch, auch einmal Englisch, Russisch, aber kein Tschechisch. Es riecht nach Zigarillos, süssem Parfum und Pisse. Auch Elly kommt regelmäßig nach Babylon. An einem der Roulettetische hält sie sich an einer E-Zigarette fest, hat Pfefferminztee und zwei Jetons im Wert von je zehn Euro vor sich. Das ist alles, was sie noch hat. «Mit Jefüühhl. Mit mehr Jefüüühhhl!», ruft sie dem Croupier zu. «Du musst das so machen, als wenn du ’ne Frau betatschst!»

Sein Babylon entdeckte Nik Afanasjew zufällig auf der Fahrt von Berlin über Prag nach München. «Mir ist keine Statistik bekannt, die Babylon als besonders schlimm gegenüber anderen tschechisch-deutschen Grenzorten ausweist», so der Autor. «Aber der Kontrast zwischen der Grösse und Beschaulichkeit des Ortes und dem Ausmaß des Lasterbetriebs erschien mir extrem.»

Afanasjew liest seine Reportage, erzählt über die nicht ungefährliche Recherche vor Ort und diskutiert anschliessend mit dem Publikum. 

Moderation: Dmitrij Gawrisch
Donnerstag, 28. November 2019, 20.00 Uhr
Alte Utting, Lagerhausstraße 15, 81371 München
Eintritt: EUR 10,– (Ermässigt EUR 7,–)

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