Der Koran aus Saddams Blut

Es ist eine der letzten Verrücktheiten des irakischen Diktators. Und es ist ein gut gehütetes Geheimnis. Ein Schriftsteller und ein Reporter machen sich auf die Suche nach dem mysteriösen Manuskript.

Emmanuel Carrère und Lucas Menget

Diese Recherche wurde durch den Reportagen-Recherchefonds finanziert.

Emmanuel: Das Protokoll ist immer das gleiche, zumindest wenn man zu den wichtigen Leuten will. Hat man die Kontrollposten hinter sich, wartet man erst einmal. Man wartet lange. Dieses Warten wird unterbrochen von kleinen, durch dienstfertige junge Männer, seltener junge Frauen, herbeigetragenen Gläschen süssen Tees. Zu Anfang dachte ich mir nichts dabei, am zweiten Tag nahm ich mir ein Buch mit, um die Zeit totzuschlagen, am dritten liess ich das Buch im Hotel, denn es ist schade, im Irak die Zeit totzuschlagen, besser lässt man sie am Leben und spürt ihrer mehrtausendjährigen Geschichte nach – diese Tatsache ruft man uns oft ins Gedächtnis: Wir befinden uns in einem Land, das siebentausend Jahre auf dem Buckel und mehr oder weniger alles erfunden hat, nicht zuletzt die Schrift.

 

Schliesslich ist der Augenblick da, in dem man ins Allerheiligste geführt wird.

Die Wichtigkeit der wichtigen Persönlichkeit, sei sie von politischer oder religiöser Bedeutung, bemisst sich an der Grösse des Schreibtischs, hinter der sie einem entgegenblickt, am Abstand zwischen diesem Schreibtisch und der Tür und an der Anzahl bombastischer, die Wände säumender, einander gegenübergestellter Sofas, die so weit voneinander entfernt stehen, dass man sehr laut sprechen muss, um sich Gehör zu verschaffen.

Man setzt sich, und das Gespräch beginnt. Lucas führt es mit einer Geschicklichkeit, die mich beeindruckt. Die Herausforderung besteht darin, die Frage, die uns interessiert, weder zu früh noch zu direkt zu stellen. Unsere Reportage, erklärt Lucas, verstehe sich als ein Porträt des heutigen Bagdad. Jedes Mal bemühen wir uns nach Kräften, den kürzlich errungenen Sieg über den IS und die jeweilige Rolle von Schiiten und Sunniten darin zu erwähnen. Nach etwa zwanzig Minuten politischen Smalltalks, der üblicherweise mit dem Wunsch nach nationaler Aussöhnung endet, klappt Lucas sein Notizbuch zu, bedankt sich und erwähnt dann, als sei ihm diese Idee in letzter Minute wie ein kurzer Gedanke gekommen, der keinerlei Bedeutung und mit dem Thema nichts zu tun hat, ihn aber persönlich interessiert: «Übrigens hat uns jemand erzählt, Saddam Hussein habe einen Koran mit seinem eigenen Blut schreiben lassen. Haben Sie davon gehört?»

 

Was wir über diese Geschichte wissen, stammt aus drei Quellen: dem Artikel eines australischen Journalisten aus dem Jahr 2003, aus einem anderen von einem englischen Journalisten des Guardian von 2010 und aus einem Interview mit einem berühmten irakischen Kalligrafen, das 2014 bei al-Jazeera ausgestrahlt wurde. Ich fasse zusammen: Im Dezember 1996 gab es einen Mordversuch an Udai, Saddam Husseins ältestem Sohn. Udai hatte mehrere hohe Ämter inne und war ein notorischer Psychopath, der Schrecken der Nächte von Bagdad und fähig, praktisch straffrei jemanden, dessen Nase ihm nicht passte, mit ein paar Revolverschüssen abzuknallen oder eine Frau zu vergewaltigen. Ich sage «praktisch», denn Saddam nahm seinem Sohn dann letztlich doch übel, dass er bei einem offiziellen Empfang seinen persönlichen Vorkoster mit einem elektrischen Messer abschlachtete, und schickte den wilden Bengel für einige Monate in die Schweiz, um ihn wieder auf die rechte Bahn zu bringen. Dieser Udai also wird am Steuer seines Porsche angeschossen – oder vielmehr eines seiner Porsches, denn er nannte die Kleinigkeit von 1200 Autos sein Eigen. Er bekommt siebenunddreissig Kugeln in den Leib, die er haarscharf überlebt. Um Allah für seine Barmherzigkeit zu danken, äussert sein Vater daraufhin den bizarren, faustischen, an schwarze Magie grenzenden Wunsch, einen Koran mit dem eigenen Blut schreiben zu lassen. Er lässt in regelmässigen Abständen eine Krankenschwester kommen, die ihm Blut abnimmt, und lässt es zu einem berühmten Kalligrafen bringen. Nach drei Jahren hat dieser die 114 Suren des heiligen Buchs fertig, und Saddam vermacht sie mit grossem Pomp einer Moschee, die er gerade hat bauen lassen. Die Zeremonie wird vom irakischen Fernsehen gefilmt, doch von dieser Aufnahme findet sich keine Spur mehr. 2003 fallen die Amerikaner im Irak ein. Später wird Saddam mit wirrem Haar und irrem Blick in einem Erdloch aufgefunden und 2006 erhängt. Im allgemeinen Chaos verschwindet der Koran aus Blut, und es gibt dringendere Dinge zu tun, als sich zu fragen, wohin.

Ende 2016 spricht Patrick de Saint-Exupéry, zu dieser Zeit Chefredaktor der französischen Zeitschrift XXI, die Teil des Recherchenetzwerkes Select ist, mit Lucas Menget, einem Journalisten, der viel im Mittleren Osten gearbeitet hat. Saint-Exupéry kommt die Idee, uns zusammenzuspannen: Lucas, der den Irak sehr gut kennt, und mich, dessen Faible für seltsame Geschichten er kennt. Und so fahren wir gemeinsam nach Bagdad: Lucas in der Überzeugung, dass die Geschichte wahr ist, ich im Glauben, dass sie alles, aber auch alles, von einer urban legend, einer modernen Sage, hat – was sie nicht minder interessant macht. Im Bemühen, unsere Geschütze nicht zu früh aufzufahren, hat Lucas vor unserer Abfahrt das Thema unserer Reportage weder unserem Chauffeur Sami verraten noch Dr. Khadum, unserem Fixer – wie man jene gewieften Leute nennt, die Journalisten in einem fremden und auf den ersten Blick schwierigen Land als Dolmetscher und Assistenten zur Seite stehen. Sie wissen, zu welchem Zeitpunkt man ein paar Scheine aus der Tasche ziehen muss, um eine festgefahrene Situation ins Rollen zu bringen. Als wir die beiden endlich darüber aufklären, überrascht sie unsere Neugier für diese Geschichte, aber sie haben davon gehört und zweifeln nicht an deren Richtigkeit.

 

Lucas, der seit 2003 etwa dreissigmal im Irak war, ist seit anderthalb Jahren nicht mehr da gewesen und kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie sehr sich die Stadt normalisiert hat. Die Flughafenzufahrt ist zwar mit Kontrollposten gespickt, aber man rast nicht mehr mit 180 Sachen und der Angst vor Heckenschützen im Magen auf ihr herum. Die Gefahr von Selbstmordattentaten ist zwar weiterhin hoch, und die schiitischen Milizen, die Mosul wiedererobert haben, irren ziellos in den Strassen herum, denn der Staat weiss nichts mit ihnen anzufangen, und so vertreiben sie sich die Zeit damit, jeden zu kidnappen, den sie kidnappen können, aber tagsüber und in guter Obhut kann ein Ausländer durchaus ein paar Schritte auf der Strasse – oder auf manchen Strassen – gehen und sogar auf irgendeiner Terrasse einen Kaffee trinken. Die Leute, angefangen bei Dr. Khadum und Sami, klagen weniger über die Gewalt als über die allgegenwärtige Korruption und über eine Bürokratie, die aus dem kleinsten Weg einen aussichtslosen Marathon macht. Das Beeindruckendste für einen Neuling wie mich sind allerdings die Mauern: Betonmauern, die die Amerikaner als Schutz vor Autobomben rund um jedes Gebäude und jedes Viertel errichtet haben und an denen wir stundenlang in Samis altem Jeep vorbeiholpern. Bagdad ist vielleicht eine Stadt, die in den Normalzustand zurückfindet, dennoch bleibt sie eine eingemauerte Stadt.

 

Er war hier, in der Grünen Zone, vielleicht ist er immer noch da

 

Lucas: Seit unserer Ankunft sage ich mir, Emmanuel wird einen äusserst friedlichen Eindruck von Bagdad erhalten. Er kann es nicht wissen, aber es gibt sehr viel weniger Mauern als früher. Viele Kontrollposten und T-walls, diese Feuerschutzwände aus Beton in Form eines umgedrehten T, wurden abgebaut. Es ist keine Stadt im Krieg mehr. Mithilfe der Amerikaner, Franzosen und Iraner hat der Irak inzwischen den Krieg gegen den IS gewonnen. Es weht ein verschmutztes, aber fast frühlingshaftes Lüftchen, milde Temperaturen tun ihr Übriges: die letzten Tage vor einem Sommer mit 50° Celsius. Es gibt lächelnde Menschen, Staus, geöffnete Geschäfte. Ich reisse staunend die Augen auf und sage mir: Endlich, es passiert etwas.

Am frühen Morgen – es nieselt, und die Soldaten sind gezwungen, für ein paar Stunden einen irgendwie unpassenden Camping-Poncho überzuziehen – sind wir mit einem japanischen Diplomaten verabredet, der seit acht Jahren in der Grünen Zone lebt, dieser berühmten, zehn Quadratkilometer grossen Enklave, die alle Machthaber beherbergt hat: erst Saddam, dann die Amerikaner. Noch heute sind in diesem Areal die amerikanische Botschaft, die irakische Regierung und die Räumlichkeiten der Uno angesiedelt.

 

Ich habe an der Existenz dieses Korans nie gezweifelt. Er war hier, in der Grünen Zone, vielleicht ist er immer noch da. Ich habe eine zusätzliche Informationsquelle: Der Journalist Adrien Jaulmes von der französischen Zeitung Le Figaro hat ihn 2003 kurz nach dem Sturz der Regierung gesehen, während dieser ungewissen Stunden, da die Amerikaner ihre Macht noch nicht gefestigt hatten und die irakische Armee sich schleunigst ihrer Uniformen entledigte. Mein Freund hat den Koran in einem kleinen Museum gesehen, in dem Saddams Geschenke ausgestellt waren, und Adrien ist nicht der Typ, der mit Fakten Scherze treibt. Das Museum gibt es immer noch, aber es ist nicht mehr allgemein zugänglich, nur den ständigen Bewohnern der Grünen Zone.

Sami setzt uns an einer Kreuzung in der Nähe eines der seltenen Durchgänge in der Grenzmauer der Grünen Zone ab. Er selbst darf nicht hinein: Er ist nur ein einfacher Iraker, wir dagegen sind Gäste. Zu Fuss passieren wir den ersten Kontrollposten. Die Pässe. Dann einen zweiten: Wir stehen ordnungsgemäss auf der Liste. Wir passieren die T-walls, die seit 2003 zu zehntausenden errichtet wurden, um Bagdad in seinen Albtraum einzuschliessen. Emmanuel zieht sein Telefon heraus, um ein Foto von diesem Labyrinth aus Mauern und Blenden zu machen; ich erinnere ihn daran, dass das strikt verboten ist und es überall Überwachungskameras und Wachtürme gibt. Um ins Hotel Rasheed zu kommen, in dem wir verabredet sind, nehmen wir schliesslich eine Unterführung, die einem U-Bahn-Eingang ähnelt. Wir kommen auf einer perfekt gepflegten, palmengesäumten Allee heraus, wo glänzende weisse Land Rover parken, neben denen sich contractors unterhalten, jene supermuskulösen, superbewaffneten, superweissen und superwestlichen Typen, die für die Sicherheit der Politiker, Diplomaten und Gebäude zuständig sind und den Irak nur durch Kimme und Korn oder die Windschutzscheibe ihrer gepanzerten Fahrzeuge kennen. Die Geschichte dieses Lands ist ihnen egal. Bestenfalls interessiert sie der damit verbundene Risikozuschlag auf ihr Gehalt. Schlechtestenfalls die vage messianische Ansicht, sie seien Rächer von Unrecht in einer mittelalterlichen Gegend.

Unser japanischer Diplomat verlässt die Grüne Zone äusserst selten. Er empfängt alle und jeden in seinem Büro oder auf den Sitzbänken eines modernen, fast schicken Cafés, wie man es in allen Luxushotels des Mittleren Ostens, im Irak allerdings nur in diesem findet. Er bereitet gerade seine – bedauerliche – Abreise aus diesem Land vor, das ihn fasziniert. Er hat es 2006 in den Bürgerkrieg versinken sehen, als Schiiten und Sunniten sich gegenseitig auf den Strassen von Bagdad umbrachten. Er hat den ersten Versuch einer Aussöhnung 2011 erlebt, als die Amerikaner glaubten, sie könnten erhobenen Hauptes und mit erfüllter Mission abziehen, während sie in Wirklichkeit ein verwüstetes und wie nie zuvor gespaltenes Land hinterliessen. Er hat die Entstehung des IS mitverfolgt, dann die «Einberufung» einer Armee junger Schiiten, um Bagdad zu verteidigen. Jetzt, da er seine drei Koffer packt, glaubt er an die Auferstehung des Landes. Er berichtet, dass sich die politischen Parteien im Wahlkampf von den Religiösen abzuheben versuchen, als seien sie von einer laizistischen Euphorie erfasst, die an die ersten Stunden eines Saddam Hussein erinnert. Von fünfzehn Jahren Krieg erschöpft, würden die Iraker Waffen und Standarten gern einmal beiseitestellen und versuchen, sich wieder ein Leben einzurichten und das ihrer Kinder zu schützen.

An den benachbarten Tischen sitzen amerikanische, britische und russische Sicherheitsbeamte. Ein bisschen weiter weg arabische Geschäftsmänner, die wahrscheinlich gerade Verträge unterzeichnen. Als ich den Namen des ehemaligen Diktators erwähne, senke ich ein wenig die Stimme. Aus Gewohnheit. Ich frage nach dem Koran aus Blut. Befindet er sich noch in der Grünen Zone? Was weiss unser Diplomat darüber? Schweigen. Ein ziemlich langes. An diese langen, verschwiegenen Sekunden müssen wir uns gewöhnen. «Ich weiss nicht, ich habe keine Ahnung, wo dieses Buch ist.» Für diesen Uno-Diplomaten ist es kein Thema. Das alles ist lange her. Wahr allerdings ist, dass es eine Art Saddam-Hussein-Nostalgie gibt. «Nicht nach dem Menschen, verstehen Sie mich richtig. Jeder weiss mittlerweile, dass er blutrünstig und gefährlich war. Und Anhänger von Saddam haben keinerlei politische Zukunft. Trotzdem gibt es das Gefühl, dass das Land unter seiner Diktatur zumindest geführt und vereinigt war und eine Richtung hatte.»

Wir kehren in den Irak zurück: auf die andere Seite der Mauer, denn die Grüne Zone ist nicht der Irak. Sami erwartet uns mit seinem leicht amüsierten Lächeln. Unsere Begegnung werten wir am Tisch eines kleinen Restaurants in der Nähe der Saadoun-Strasse aus, mit ihren ausgeblichenen Reisebüros, ihren Restaurants und mit einigen, je nach aktueller religiöser Stimmung mehr oder weniger versteckten Alkoholläden, eine der belebtesten Strassen der Stadt. Zuweilen wird sie die Champs-Elysées von Bagdad genannt, doch sie ist es weder der Länge noch der Atmosphäre nach, die einzige Parallele ist, dass es eine zentrale, verstopfte Strasse ist, die man Ausländern recht einfach zeigen kann. Khadum – oder Doktor Khadum, wie Emmanuel ihn mit berechtigtem Respekt für seinen Titel nennt – ist während unseres Besuchs in der Grünen Zone seinerseits auf der Jagd nach Informationen gewesen. Er hat in einer irakischen Zeitung ein sehr kurzes Interview mit dem Kalligrafen gefunden, der mit dem Blutkoran beauftragt war und 2010 gesagt haben soll: «Ich hatte keine andere Wahl. Ich habe Tag und Nacht gearbeitet und bin darüber fast blind geworden.» Vor allem aber hat er herausgefunden, dass ein Ausschuss sunnitischer Geistlicher die ganze Sache überwacht und Saddam Rückendeckung gegeben hat. Was ihn besonders überrascht. Denn wie konnten Geistliche einen solchen Frevel decken?

 

«Für den Ayatollah ist vergossenes Blut haram, unrein»

 

Emmanuel: Wenn man schon danach fragt, dann doch am besten jemanden, der weiss, wovon er spricht. So treffe ich in seiner Hochburg al-Kadhimiya den ersten Ayatollah meines Lebens. Ein Ayatollah ist ein sehr hoher schiitischer Geistlicher und al-Kadhimiya ein fast ausschliesslich schiitisches Viertel. Auf der anderen Seite des Flusses liegt das fast ausschliesslich sunnitische Viertel al-Adhamiyah, und viele Bewohner beider Seiten haben sich gegenseitig umgebracht. Auch wenn die Moschee von al-Kadhimiya den heiligsten Orten des Schiismus Najaf und Kerbala an Bedeutung nicht ganz gleichkommt, beherbergt sie doch das Mausoleum von Musa al-Kazim, dem siebten Imam des Schiismus, der auf Befehl des Kalifs Harun al-Rashid vergiftet wurde und Gegenstand einer inbrünstigen Verehrung ist, die ich kurze Zeit später beim grossen Freitagsgebet beobachten kann: Sie reicht locker an die in Lourdes heran. Im Schatten dieser Moschee empfängt uns Ayatollah Khalisi mit weissem Turban, brauner Robe, beeindruckender Statur und einem charismatischen Gesicht von der Sorte weise und gütig – soweit man weise und gütig sein kann, wenn man ein hoher Geistlicher und Vorposten in einem Religionskrieg ist und schwerbewaffnete Jünger in seinem Gefolge hat, die einem blind gehorchen.

Ein kurzer Abriss der Lage: Der Kampf gegen den gemeinsamen Feind IS hat gemäss dem Ayatollah die Iraker und selbst Schiiten und Sunniten einander wieder angenähert, doch er bleibt äusserst misstrauisch gegenüber den Politikern, die sich um die Macht streiten. Alle sind derart korrupt und so sehr Teil eines grossen antiirakischen Komplotts, dass er seine Hoffnungen nicht in ohnehin gefälschte Wahlen setzt, sondern in eine waschechte Revolution. Eine gewaltlose, religiöse Revolution natürlich, und wenn man ihn fragt, ob er von einem iranischen Modell träume, antwortet er ohne Umschweife Ja.

Auf diesen ersten Wortwechsel folgt unsere eigentliche Frage. Der Ayatollah hält inne. «A very sad story», seufzt er und schüttelt mit einem bedauernden Lächeln den Kopf. Saddam sei ein Psychopath und ein grausamer Diktator und seinem Vorbild Stalin ebenbürtig gewesen, und diese Koran-Sache veranschauliche nur seinen Wahnsinn. Dass Saddam eine Gelehrtenschule besucht habe, wie Dr. Khadum versichert, sei wahr, aber zum einen seien diese Gelehrten Sunniten gewesen, und zum anderen hätten sie den Strang riskiert, wenn sie die Wahrheit gesagt hätten, die Saddam nicht hören wollte: Blut ist halal, rein, solange es in den Adern der Menschen und Tiere fliesst, doch es wird haram, unrein, sobald es vergossen wird. Also ist es unrein, einen Koran mit Blut zu schreiben. Selbst ein normaler Koran, der versehentlich mit einem kleinen Blutfleck beschmutzt wird, «should be removed». Was heisst «removed»? «Destroyed», und nicht nur die blutbefleckte Seite, sondern das ganze Buch. Hätte er also zu entscheiden, was man mit diesem Koran aus Blut machen solle – denn dass es ihn gebe, sei eine Tatsache –, würde er nicht zögern: Er würde ihn verbrennen lassen. Und wenn jemand zu ihm gekommen wäre und erklärt hätte, er habe vor, einen solchen Koran zu schreiben oder schreiben zu lassen, hätte er ihn umgehend in die Psychiatrie einweisen lassen.

Der Ayatollah sagt auch: Saddam, der seine Karriere als unbeugsamer Laizist begonnen hat, habe sie mit dem Wunsch beendet, ein islamischer Führer zu werden. Dieser Sinneswandel sei ihm Anfang der 1990er Jahre gekommen, zum einen, weil damals die Dinge schlecht für ihn zu laufen begannen, und wenn die Dinge schlecht liefen, wende der Mensch sich nun mal seinem Schöpfer zu. Zum anderen habe er damals begonnen, sich sogar für Khomeini zu halten. Für Khomeini? Wir wundern uns. Ja, auch wenn er mit ihm einen gnadenlosen Krieg begonnen habe, habe er ihn tief in seiner Seele bewundert, denn mit absoluter Macht habe er sich ausgekannt und ihn nachahmen wollen. So äfft der Teufel den lieben Gott nach, erklärt unser Ayatollah.

Darüber diskutieren wir nach unserem Treffen rege im Auto. Sami und Dr. Khadum, die beide nicht gläubig sind, finden die Erklärung pfiffig und recht lustig – ganz allgemein finden sie unser Thema eher ulkig, ein cooles Ding zwischen zwei handfesteren Missionen, bei dem nicht viel auf dem Spiel steht, während wir mit ein wenig Paranoia gerechnet hatten. Trotzdem stelle ich mir ein paar Fragen. Einer, der ein islamischer Führer werden will, baut Moscheen, eröffnet Koranschulen, erklärt den Heiligen Krieg oder irgend so etwas, aber er schreibt keinen Koran mit seinem Blut – eine Geste, bei der man kein hoher Kleriker sein muss, um zu begreifen, dass sie gotteslästerlich ist. Einer, der Ayatollah Khomeini imitieren will, beginnt nicht damit, etwas wie die Satanischen Verse zu schreiben. Oder doch?

«Nein», gibt Dr. Khadum nachdenklich zu. «Aber einer, der ihn herausfordern will?»

Wenig später besuchen wir zum Ausgleich einen anderen majestätischen Alten mit langem, weissem Bart wiederum vor seiner Moschee: Scheich Sumadai, den Mufti der Republik und Grossulama der Sunniten. Die Gesichter der beiden verfeindeten Brüder überlagern sich bereits in meinem Gedächtnis, nicht zuletzt, weil ein sunnitischer Geistlicher rein optisch nur durch winzige Details wie den Faltenwurf des Turbans von seinem schiitischen Pendant zu unterscheiden ist. Zum Blutkoran hat der Scheich nichts besonders Interessantes beizutragen. Er bestätigt, das Ganze sei natürlich haram gewesen, und da der Gelehrtenausschuss, der die Sache anerkannt hat, aus Sunniten wie ihm bestand, ist er gezwungen, schulterzuckend zu bekennen, dass es immer und überall Leute gebe, die eher der Macht als der Religion nahestünden, das sei bedauerlich, aber so sei es eben. Interessanter ist, wie ungehemmt er Saddam nachtrauert: Denn der Irak sei zu seinen Zeiten selbst Herr über sein Schicksal gewesen statt das Spielzeug ausländischer Mächte. Heutzutage dagegen könne der Premierminister nicht einen Beamten oder hohen Militär mehr versetzen, ohne zuvor die Zustimmung der amerikanischen Botschaft eingeholt zu haben. «Das ist wie bei euch während der deutschen Besatzung», sagt er, «und unsere Politiker von heute sind nicht geachteter als euer Vichy-Regime.» Ich weiss nicht, ob der Mufti Vergleiche mit den Geheimdiensten jedes seiner ausländischen Gesprächspartner parat hat, aber für einen Franzosen trifft er damit ins Schwarze.

Auch die Auswertung dieses Gesprächs im Auto ist lehrreich. Sami und Dr. Khadum sind beide knapp sechzig. Der eine war erst Soldat und dann Boxer, bevor er beschloss, Journalisten wie Lucas herumzufahren und zu beschützen – die ihm treu bleiben, weil er ein unglaublich guter Kerl ist, mit dem man sich nicht nur sicher, sondern auch wohl fühlt. Der andere hat in den USA studiert, ist Englisch- und Journalismusprofessor und ein belesener, friedlicher, umsichtiger Mann – doch all das reicht nicht, um eine Familie zu ernähren. Im Laufe ihres Lebens haben beide erst den vom Irak begonnenen Krieg gegen Iran miterlebt, dann den verheerenden Einmarsch in Kuwait, das Wirtschaftsembargo und die Sanktionen, die ihr Land ins Steinzeitalter zurückkatapultierten, das Chaos nach der amerikanischen Invasion und, als I-Tüpfelchen, den IS: dreissig Jahre voller Unglück, doch sie sind alt genug, um sich an eine Zeit erinnern zu können, in der sich niemand überhaupt nur fragte, ob er selbst oder sein Nachbar Sunnit oder Schiit sei. Eine Zeit, in der junge Mädchen in Miniröcken in Cafés sassen, wo man am Ufer des Tigris Alkohol servierte und in der junge Männer in italienischen Anzügen und Schuhen aus farbenfrohen Sportwagen ausstiegen: das dolce vita von Bagdad. Damals war der Irak ein modernes, blühendes, laizistisches Land, ein Land des Mittleren Ostens, das alle mögen, wie der Westen es sich erträumte, mit einem sehr salonfähigen Präsidenten oder meinetwegen auch Diktator. Jeder war entzückt, mit ihm gewinnträchtige Verträge abzuschliessen, angefangen bei unseren Barres, Chiracs und Balladurs, die wegschauten, wenn Saddam seine kurdische Bevölkerung durch seinen Minister und Cousin, den General Ali Hassan al-Majid mit dem freundlichen Spitznamen «Chemie-Ali», vergasen liess. Wenn man also Iraker war, wusste man freilich, dass Saddam gefährlich, launisch und grausam war, aber wenn man nicht ins Fadenkreuz des Mukhabarat geriet, der lokalen Version des KGB, oder das Pech hatte, dem betrunkenen Udai zu begegnen, konnte man anständig leben. Selbst die Armen hatten genug zu essen – sogar Hühnchen, und das morgens, mittags und abends, schliesslich ist und bleibt der Irak der weltweit grösste Hühnerkonsument. Die öffentlichen Einrichtungen funktionierten, die ärztliche Versorgung war kostenlos und erstklassig, man konnte sich ein Haus kaufen, zu Recht darauf hoffen, dass die eigenen Kinder besser leben würden als man selbst, und in den Ferien ins Ausland fahren – alles Dinge, die im heutigen Irak undenkbar sind. Ich habe viele Russen kennengelernt, die in den 90er Jahren der Sowjetunion nachtrauerten, weil selbst eine schlechte Ordnung besser ist als Chaos. Derselben Haltung begegne ich nun im Irak bei anständigen, rechtschaffenen Leuten wie Dr. Khadum und Sami: Nicht seine Art von Machtausübung werfen sie Saddam vor, sondern seinen Wahnsinn, der ihn genau diese Macht verlieren liess.

 

Eine finstere Moschee mit Minaretten in Form von Kalaschnikows

 

Lucas: Bei einem Abendessen stelle ich Emmanuel meine beiden anderen Fixer im Irak vor: Mohammed und Muthanna. Beide haben Karriere im Sicherheitsbusiness gemacht, einem boomenden Sektor im Irak. Sie sind wohlhabende Geschäftsinhaber geworden, die herumreisen und inzwischen enge Freunde sind. Mir scheint, es amüsiert sie ein bisschen, mir zwei gepanzerte Fahrzeuge und schweigsame, schwerbewaffnete Leibwächter ins Hotel zu schicken, um mich zu ihnen zu bringen. In Wirklichkeit aber sind sie besorgt. Die Kriminalität ist ein Dauerzustand, Kidnappings sind an der Tagesordnung. Sie würden sich unendlich grämen, wenn mir auf dem Weg durch Jadriyah, das schicke, alte Viertel, in dem ihre Büros liegen, irgendetwas zustossen würde. Die Gegend wird heutzutage von Milizen unsicher gemacht, die sich mehr oder weniger gegenseitig Konkurrenz machen, vor allem aber mit Armee und Polizei im Kampf liegen. Und auch Mohammed und Muthanna trauern einstimmig den Zeiten Saddams nach. Wenn ich ins Feld führe, dass keiner von ihnen unter ihm sein Geschäft hätte aufbauen und Geld machen können, erwidern sie: Ja, sicher, aber was nützt es einem, in einem derartigen Chaos, mit einer ständigen Angst im Nacken und keinerlei Zukunftsgarantie reich zu werden? Zugegeben, Saddam war wahnsinnig, trotzdem war das Leben einfacher. Ich erkläre ihnen den Grund unserer Reise. Schweigen, Lächeln, vor allem aber das: «Hör mal, Lucas, du kennst die Situation hier, glaubst du nicht, es gibt derzeit Wichtigeres über den Irak zu berichten?»

Muthanna ist trotzdem bereit, ein wenig in seinen Erinnerungen zu kramen: Er habe im Fernsehen irgendwann einmal den über diese Koranseiten gebeugten Saddam Hussein gesehen, der Kommentator habe erläutert, der Text sei mit seinem Blut geschrieben, und so sei er ein paar Tage später in das kleine Museum für die Geschenke an den Rais gegangen, um den Koran anzuschauen. «Einfach so, um ihn zu sehen, aber letztlich war es nur ein Koran wie jeder andere, und ich habe das Ganze vergessen.» Muthanna war also wie viele unbedarfte Iraker als Schaulustiger losgezogen, um sich die letzte Wahnsinnstat des Diktators anzusehen. Wie um sich zu bestätigen, dass dieser Führer, den sie anfangs für ein gutes, laizistisches, leicht aufbrausendes Väterchen gehalten hatten, dabei war, durchzudrehen. Seit der Niederlage im Golfkrieg hatte sich etwas verändert. Udais Schreckensherrschaft war entstanden, es gab willkürliche Festnahmen, eine überall und immerzu spürbare Spannung und Kriegsdrohungen. Und dann diese Hinwendung zur Religion, die unser Ayatollah erwähnte. So las man am 14. Januar 1991 unter den drei Sternen der Nationalflagge den Schriftzug «Allahu Akbar», was bekanntlich «Gott ist gross» heisst. Die Worte stammten aus Saddam Husseins eigener Hand, verkündete damals ein Communiqué der Baath-Partei. Schau mal einer an: Im Januar 1991, inmitten der gescheiterten Kuwait-Operation, betätigt sich der Präsident als religiöser Kalligraf.

Zur selben Zeit plant er den Bau einer ziemlich speziellen Moschee. Sie erhält den Namen Umm al-Ma’arik, «Mutter aller Schlachten». Genau denselben wie die militärische Operation in Kuwait! Später wird sie von den Einwohnern Bagdads «Saddam-Moschee» genannt, weil sie seinen militärisch-religiösen Wahn symbolisiert: Die Minarette haben die Form von Scud-Raketen und Kalaschnikowmagazinen. Und genau dort, glaube ich, wird unser Blutkoran seit dem Fall des Regimes und der Aufteilung von Saddams Besitztümern aufbewahrt – wie auch der australische Journalist erklärte, der dort Ende 2004 ein paar Seiten davon sah; seitdem hat ihn niemand irgendwo sonst mehr zu Gesicht bekommen. Die sunnitische Moschee ist eine Hochburg der «Saddamisten». Während all der Jahre des Bürgerkriegs und der Guerilla gegen die Amerikaner, sagen wir von 2004 bis 2011, war Umm al-Ma’arik ein gefährlicher Ort, den man besser nicht ohne gebührliche Einladung und Eskorte betrat. Dort versammelte sich der letzte Rest von Anhängern des Baath-Regimes, dort wurden undurchsichtige Bündnisse zwischen Religiösen und alten Militärs geschmiedet, die die Überzeugung einte, die beste Lösung für den Irak sei die Rückkehr zum alten Regime, mit oder ohne Saddam. Und letztlich erscheint es mir auch einfach logisch, dass dieser Koran an einen von Schiiten gefürchteten Ort gebracht wurde, an dem Journalisten nicht willkommen sind und an den es keinen hinzieht.

Es ist ein trüber Morgen. Emmanuel ist müde, und ich scheue mich vor diesem Viertel. Wortlos durchqueren wir die ganze Stadt in unserem Jeep. Auch Sami ist nicht glücklich. Die Ecke, al-Ghazaliya, ist sehr arm, die Strassen sind aufgerissen, und das ruiniert den letzten Rest an Federung seines Wagens. Die Häuser sind niedrig, die Palmen grau. Zwischen den Stadtteilen gibt es Brachen, auf denen sich Sunniten und Schiiten bis vor kurzem noch umbrachten. Wir kommen beim Eingang an. Sami muss parken und im Auto warten. Mir ist nicht besonders wohl, wenn er uns nicht begleitet. Ihm auch nicht. Die erste Sperre steht inmitten von Schlammpfützen. Man prüft, ob wir Waffen bei uns tragen. Bei der zweiten müssen wir unsere Handys abgeben. Wir erreichen einen riesigen, leeren Parkplatz. Rund um die Moschee mit den kriegerischen Minaretten neue gläserne Gebäude. Dritter Kontrollposten. Die Pässe werden uns abgenommen. Jetzt sind wir nackt. Khadum sieht ein wenig verloren aus. Er war am Vortag schon einmal auf Erkundungstour hier, auch er mag den Ort nicht. Wir fragen nach einem zuständigen Geistlichen. Wir haben Glück, es gibt einen, in einem zu drei Vierteln leerstehenden Gebäude der weitläufigen Siedlung rund um die Moschee.

Nach einigen Gläsern Tee in den Wartezimmersofas werden wir ins Büro von Dr. Ammer Shaker al-Janabi geführt, der dem sunnitischen Waqf vorsteht, das heisst der Verwaltung aller Moscheen dieser Konfession. Das Gespräch dreht sich um den Krieg gegen den IS, die Kämpfe, die viele der zwölftausend Moscheen im Land zerstört haben, und die Märtyrer: all die jungen, im Kampf gefallenen Männer, zu deren Ehren er gerade ein Buch schreibt. Dann um die Namensänderung der Moschee, die wir durchs Fenster sehen. Sie heisst nicht mehr Umm al-Ma’arik, Mutter aller Schlachten, sondern Umm al-Qura, «Mutter aller Dörfer», in Erinnerung an Mekka.

Schliesslich lege ich mein Heft ab und stelle meine Frage. Schweigen, ein noch längeres als gewöhnlich. Er blickt zu den anderen – denn natürlich sind auch ein paar Berater und Gäste anwesend. Dann sagt er: «Ja, ich habe davon gehört. Ich habe ihn im Fernsehen gesehen, als ich jung war.» Ich hake nach: «Ich habe irgendwo gelesen, dieser Koran sei hier.» Wieder Schweigen, dann eine unbestimmte Geste Richtung Moschee: «Ja, ich glaube, er war hier. Aber er ist nicht mehr da. Er ist verschwunden.» Verschwunden? Aber wohin denn? Der Doktor wirkt gereizt: «Da müssen Sie die Regierung fragen.» Das nennt man auf die Nase fallen. Doch der Doktor ist höflich. Er erlaubt uns, die Moschee zu besichtigen, und schickt uns sogar seinen Berater mit.

Das Gebäude ist riesig, eiskalt und düster. Der Marmor von einem ausgewaschenen, leicht vergilbten Weiss. Alles hier, die Steine, der Teppich, die herumstehenden Plastikstühle, strahlen Angst und Tristesse aus. Eine Marmorplatte am Eingang trägt Saddams Signatur. Offensichtlich hat man versucht, sie zu entfernen, und es sich dann anders überlegt. Sie ist ein wenig ausgeblichen, doch immer noch sichtbar. Der Imam der Moschee kommt hinzu und ein anderer Mann, den wir den «Schlüsselwart» taufen, weil er einen ganzen Schlüsselbund schwenkt. Die Moschee ist leer, und der Imam bedauert, sie sei es fast immer, selbst am Freitagmorgen: «Nur die Leute aus den Büros rundherum kommen hierher, die aus dem Viertel gehen anderswohin.» Eine perfekte Vorlage für meine Frage, ob die Moschee vielleicht Angst verbreite. Ob es etwa irgendwelche herumirrenden Gespenster gebe, wie vielleicht das von … Saddam Hussein? Der Imam lächelt. «Wissen Sie, Saddam hat sich als einen Gläubigen ausgegeben, doch beim Gebet hat man ihn selten gesehen, er kam fast nie hierher.»

Es ist kalt, die Sonne dringt kaum durch die mit Koranversen beschriebenen Scheiben. Der Schlüsselwart beginnt ein Gespräch mit dem Imam, das ich nicht verstehe und dessen Übersetzung Khadum schwerfällt. Es geht viel um Saddam, doch in einem recht scherzhaften Ton. Mit grossem, unschuldigem Lächeln versuche ich noch einmal mein Glück: «Ich habe gehört, Saddam habe sogar einen Koran mit seinem Blut schreiben lassen und der sei hier.» Der Schlüsselmann klappert mit seinem Bund und zeigt auf ein Fenster: «Aber ja, natürlich, schauen Sie, dort drüben, in diesem kleinen Gebäude vor der Moschee. Ich habe den Schlüssel dazu, als Einziger.»

Leichtes Herzklopfen. Haben wir den Gral gefunden? Leider nicht. «Ja, schade, er ist vor einem Jahr verschwunden.» «Ach?! Wohin denn?» «Das weiss ich auch nicht, ich bin nur für die Schlüssel zuständig. Ich treffe keine Entscheidungen, ich habe nur das Buch bewacht, damit es nicht gestohlen oder zerstört wird. Übrigens war es gar kein richtiges Buch, sondern nur einzelne Seiten. In A3-Format. Sie waren alle hier, in einer kugelsicheren Kiste, damit sie selbst im Fall eines Angriffs auf die Moschee nicht zerstört würden.»

Der Schlüsselwart fügt ein Detail hinzu: Er habe den Koran ein einziges Mal einem Journalisten gezeigt und bereue es ein wenig. Aber der Journalist habe so darauf gedrängt und nicht eher gehen wollen, bis er ihm eine Seite aus dem Versteck geholt und gezeigt habe. Genau dasselbe erzählt der Australier David Blair in seinem Artikel für den Telegraph 2004. Alles passt zusammen.

Alles passt, aber wir haben, wenn man diesen Männern glaubt, die unsere Recherche endlich einmal ernst nehmen, den Blutkoran um ein Jahr verpasst. Sie scheinen etwas besorgt zu sein um diesen Schatz, der gemäss ihrer Aussage möglicherweise ins Ausland verkauft wurde. «In die Vereinigten Arabischen Emirate», mutmasst einer.

 

Saddam Husseins Strick

 

Emmanuel: In Bagdad gibt es eine Strasse der Buchhändler. Man kann dort auf etwa 500 Metern zwischen Ständen im Freien in der Sonne herumspazieren, wo in einem Riesendurcheinander Sprachlehrbücher, Heimwerkeranleitungen, unvollständige Ausgaben angelsächsischer Klassiker und biografische Hefte über Moshe Dajan, Karl Marx, Lenin oder Adolf Hitler ausliegen. Wir machen eine kleine Umfrage zum Buch Zabibah und der König [Anm. d. Red.: Mehr dazu im Kontext-Teil], dessen unbekannter Autor angeblich Saddam Hussein sein soll. Alle Buchhändler kennen das Werk, keiner zweifelt an Saddams Autorschaft, nur wenige haben es vorrätig: Es ist kein besonders gefragtes Buch. Auch wenn ich keine Verwendung für eine arabische Ausgabe habe, kaufe ich ein Exemplar, und wir blättern in einem alten Café darin, das als traditioneller Treffpunkt für laizistische Bagdader Intellektuelle gilt. Der grosse, dunkle, ruhige Raum, in dem man das leise Klackern von Dominosteinen, das Glucksen von Shishas und ein Murmeln hört, das beinahe wie heruntergebetete Verse klingt, ist mehrmals in die Luft gegangen. Der ruhige, lächelnde Alte hinter der Kasse hat beim letzten Attentat vor zwei Jahren seine beiden Söhne verloren.

Danach besuchen wir unseren nächsten Gesprächspartner, einen schiitischen Politiker namens Mowaffak al-Rubaie, der in der ersten irakischen Regierung unter amerikanischer Besatzung hohe Ämter bekleidet hat, heute unter dem Etikett eines Zentristen nach noch höheren strebt («Wie Macron bei uns?», versucht sich Lucas schamlos einzuschmeicheln) und der sehr genervt auf unser Thema reagiert. Diese Leidenschaft westlicher Medien fürs reisserisch Pittoreske, für einen degenerierten Exotismus und all das, was seinem Land den Anschein von beängstigender Rückständigkeit gebe, rege ihn auf, erklärt er mehrmals. Ich verstehe sein Argument und senke reumütig den Kopf, dennoch frage ich mich, ob er der geeignetste Anwalt dafür ist, wenn das Erste, was man in seinem Salon erblickt – einem düsteren, fussballfeldgrossen Raum mit abgedichteten Fenstern und modrigen Gartenfauteuils –, ein riesiger Bronzekopf von Saddam ist. Ich sage riesig, denn er ist fünf- oder sechsmal so gross wie meiner, und dieser Kopf hat einen Hals, und um den Hals liegt ein Strick, und als wir, nachdem wir seine Tracht an sarkastischen Bemerkungen eingesteckt haben, Mowaffak al-Rubaie fragen, was dieser Strick da bedeute, lächelt er zum ersten Mal und antwortet gutmütig: «Na, was glauben Sie? Das ist der echte.»

«Der echte was?»

«Der echte Strick, mit dem Saddam Hussein erhängt wurde.»

Zur Erklärung: In seiner Funktion als Geheimdienstchef begleitete unser Gastgeber im Jahr 2006 den früheren allmächtigen Herrscher persönlich zum Schafott. Saddam, erinnert er sich, habe sich geweigert, sich die Augen verbinden zu lassen – man könne also eine Menge über ihn sagen, aber mutig sei er gewesen. Nachdem die Sache beendet war, fragte sich Mowaffak al-Rubaie, was er als Andenken mitnehmen solle. Das Hemd des Verstorbenen? Seine Jacke? Er entschied sich für den Strick, der seitdem seinen Salon ziert. Zusammen mit dem Bronzekopf – der einst zu einer der zahlreichen Saddamstatuen gehörte, die von den Amerikanern vom Sockel gehoben wurden – ist er einer von drei Reliquien, die er von Saddam besitzt, die dritte ist eine Kalaschnikow aus Silber. Es gibt auch noch eine aus Gold, aber die hat sich der Premierminister al-Maliki geschnappt. Und den Koran aus Blut? Mowaffak al-Rubaie zuckt mit den Schultern: Ja, der fehle in seiner Sammlung, irgendeiner müsse ihn sich unter den Nagel gerissen haben, aber er wisse nicht, wer, und es sei ihm egal.

 

«Höchstens ein oder zwei Flaschen Diktatorenblut»

 

Lucas: Im Gegensatz zu Emmanuel glaube ich nicht, dass Mowaffak al-Rubaie der Blutkoran egal ist. Das ist eine Pose, seine Art, uns mitzuteilen, dass er nicht darüber sprechen will und es für ihn heikel ist, mitten im Wahlkampf diese Erinnerung wachzurufen. Er ist ihm so wenig egal, dass er 2010 an der einzigen Parlamentsdebatte zu dieser delikaten Frage beteiligt war. Denn für ein Weilchen beschäftigte das Buch die Abgeordneten: Sollte man es vernichten oder nicht? Er gehörte zu jenen, die entschieden der Meinung waren, man solle es als Zeugnis der Diktatur aufbewahren. Mowaffak al-Rubaie will uns also nach seiner kleinen Show vor allem hinauskomplimentieren und sich nicht von Journalisten fangen lassen. Seine Art, nicht darüber zu sprechen, bestärkt mich eher in meiner Überzeugung.

Den nächsten Tag nannte Emmanuel «Tag des Zweifels». Diese Bezeichnung trifft die Sache, entspricht sie doch jenem diffusen, beängstigenden Gefühl, das einen meistens in der Mitte einer Reportage beschleicht, weil die Elemente nicht mehr zusammenzupassen scheinen und die Zeit sich dahinzieht, ohne irgendeine Antwort auf irgendeine Frage zu liefern. Trotzdem setzte ich grosse Hoffnungen in unseren Besuch der Hochschule für bildende Künste, wo die Kalligrafieschule ansässig ist. Um diesen Totentanz des Blutkorans zu tanzen, brauchte es zwei: den Auftraggeber und den Schreiberling, den Diktator und den Kalligrafen, umrundet von dienstbaren, verstörten Geistlichen. Ein Kalligraf ist im Irak eine bedeutende Persönlichkeit. Und so stellt auch die Statue, die im Hof der Akademie Studenten, Professoren und Gäste empfängt, den ersten Kalligrafen der Moderne dar. Die Iraker sind in der gesamten arabischen Welt für die hohe Qualität ihrer Kunst berühmt – man darf nicht vergessen, dass hier, zwischen Euphrat und Tigris, die Schrift auf Tontafeln erfunden wurde.

 

Da stehen wir also in der Akademie. Sie ist ein bisschen staubig und altmodisch, mit langen Fluren, in denen modisch gekleidete Studenten herumlaufen, die Jungs in Slim-Hosen und mit Hipster-Frisuren, die Mädchen in Jeans und figurbetonten Blusen, mit leicht zurückgeschobenem Schleier, der nach iranischer Mode eine Haarlocke herausschauen lässt. Auf den Wänden Fresken, Gemälde, Kalligrafien und Reproduktionen von Keilschrifttafeln. Wir werden sofort vom Rektor in Empfang genommen. Tee und Sofas. In seinem Büro herrscht Dämmerlicht, an den Wänden hängen Reproduktionen europäischer Bilder (Bonaparte an der Brücke von Arcole, Rembrandts Nachtwache) und Koransuren. Dr. Zia Taha al-Kaissi macht grossen Eindruck mit seinem riesigen Schnurrbart, seinem massgeschneiderten Dreiteiler im Stil der 1910er Jahre und seinem Päckchen schmaler, im Irak von Männern hochgeschätzter Zigaretten, das er unablässig knetet. Er spricht stolz über seine Akademie. Achthundert Studenten, ein dreijähriges Studium, zu wenig Mittel.

Sobald ich die Frage nach der Kalligrafie anschneide, lässt er von seiner Sekretärin die Professoren des Fachbereichs holen. Sie kommen zu viert und setzen sich höflich lächelnd in die Sofas uns gegenüber, glücklich, uns über ihre Kunst aufklären zu können, insbesondere die Korankalligrafie, die der Professor mir gegenüber unterrichtet: Abdul Hussein Radhawi, ein feiner, sanfter Mann um die sechzig mit sorgfältig gestutztem weissem Bart. Er erläutert uns geduldig diese Tradition, die im Irak fortlebt, trotz des Auf und Ab im Land. Er erzählt, dass jeder talentierte Kalligraf seine eigene grafische Grammatik entwickle und sie sich gegenseitig an kleinen Details eines Buchstabens oder der Form eines Konsonanten erkennen würden. Ein guter Korankalligraf braucht sein Werk nicht zu signieren, es wird auf den ersten Blick wiedererkannt. Eine Steilvorlage, um das Gespräch auf den Koran aus Blut zu lenken. Von den fünf Künstlern im Raum will keiner als Erster das Wort ergreifen. Also antwortet der Rektor: «Diese Geschichte ist Propaganda, das ist keine Kunst.»

Das Gespräch könnte an dieser Stelle beendet werden: In der Akademie der schönen Künste diskutiert man nicht über Propaganda. Doch tatsächlich nimmt jeder noch Stellung. Für alle handelt es sich zunächst einmal nicht um einen Koran «aus Blut», aus dem einfachen Grund, dass Blut sofort trocknet, während Tinte immerzu feucht sein muss. Man muss lange Buchstaben aus einer einzigen Bewegung heraus schreiben können, ohne das Papier zu zerkratzen oder zu beschädigen. Das sei mit Blut unmöglich. Die Stellungnahme des Rektors ist noch politischer. «Saddam Hussein war trotz allem sehr intelligent, er hat die Welt glauben lassen, es handle sich um sein Blut, aber vor den ihn beratenden Geistlichen hätte er niemals zugegeben, dass es wirklich sein Blut war. Einen solchen Fehler hätte er nie begangen.» Für sie ist das Ganze eine Fälschung: ein falscher Koran und unechtes Blut. Propaganda, um dem irakischen Volk weiszumachen, er sei der Beherrscher der Gläubigen. Den Kalligrafen, der ihn angefertigt hat, kennen sie natürlich: «Wir kennen uns alle untereinander. Er hatte viel Talent, aber er war kein Akademieprofessor.» Womit gesagt sein soll: Er gehörte nicht zu ihrer Welt. Er war, erklären sie, ein privater Kalligraf in einem Atelier in al-Adhamiyah, wo er Koranabschriften für private Kunden anfertigte, also weder für die Kunst noch zur Weitergabe des Fachwissens.

Aus Professor Radhawis Art, darüber zu sprechen, klingt Verachtung heraus. Er würde dieses Gespräch gern beenden, um zu Wichtigerem zurückzukehren. «Das ist kein Kunstwerk, also ist es für uns uninteressant.» Dann sagt er breit lächelnd zu mir: «Deine Ohren und deine Augen sind zu weit voneinander entfernt.» Die anderen lachen, Emmanuel und ich notieren den Satz, ohne ihn recht zu verstehen. Der Rektor «übersetzt» ihn in eine europäischere Variante: Glaube nur, was du selbst gesehen hast. Du bekommst Dinge erzählt, aber du hast sie nicht gesehen. Wie kannst du also davon ausgehen, dass es sie gibt? Das ist nicht falsch, und es sitzt. Für diese akademischen Kalligrafen ist ein Koran aus Saddams Blut rein technisch unmöglich, und niemand weiss, was aus ihm geworden ist. Und da er von keinerlei künstlerischem Wert ist, gibt es auch keinen Grund, ihm nachzuforschen.

Überhaupt ziehen sie es vor, uns in ihren Fachbereich zu führen und uns wirkliche Kunstwerke zu zeigen. Jeder präsentiert die Erfolge seiner Schüler, manche schon eingerahmt, andere noch als grosse, lose Blätter. Sie sind stolz, diese Kalligrafieprofessoren, und zu Recht: Sie entwickeln eine Kunst weiter, die Ruhe, Zeit und Konzentration erfordert, und das in einem Land, das diese nicht bietet. Professor Radhawi setzt sich und zieht ein Blatt und ein schwarzes Tintenfass heraus.

Er schraubt es auf. Er spitzt seinen Bambusstift mit einem Cutter zu. Das Werkzeug hat sich seit Keilschriftzeiten nicht verändert. Er taucht die Spitze in die Tinte, die mit einem Fetzchen Damenstrumpfhose bedeckt ist, um ihre Textur zu erhalten. Und beginnt wortlos, unter den etwas neidischen Blicken der anderen, zu zeichnen – oder zu schreiben, das lässt sich nicht sagen, so ausholend und zugleich genau und streng ist diese Bewegung, bei der sich grosszügige Kurven und sehr kleine, fast unsichtbare Punkte abwechseln. Er lächelt schüchtern, beugt sich darüber, dreht das Blatt um, taucht sein Stäbchen ein und beginnt von vorn.

Angesichts dieser Vorführung denken Emmanuel und ich an dasselbe: den Satz, den der Kalligraf des blutigen Korans in seinem einzigen Interview sagte. «Ich habe Tag und Nacht mit einem Schwert im Nacken daran gearbeitet. Ich bin darüber fast blind geworden.» Wollte der Professor uns zeigen, wie schwierig die Arbeit seines Kollegen gewesen ist, auch wenn er nur ein Privatkalligraf war?

Zwei Schritte von der Akademie entfernt steht das Nationalmuseum, in dem sich das Büro des stellvertretenden Ministers für Tourismus und Altertümer Kais Hussein Rashid befindet. Verschiedene mehr oder weniger vertrauenswürdige Leute haben uns gesagt, der Koran befinde sich vielleicht in seinem Museum. Der Minister in der Tiefe seines Büros mit acht Sofas und Blick auf den Museumsgarten ist ein eleganter, bartloser Mittvierziger mit massgeschneidertem Anzug und glattgekämmtem Haar: Man könnte ihn für einen italienischen Minister halten. Ohne auf die Gegenwart eines etwas weiter entfernt sitzenden Mannes zu achten, beginne ich die Unterhaltung. Ich spreche von Kunstwerken im Allgemeinen, von der Situation der vom IS zerstörten Museen in Mosul, der internationalen Hilfe und so weiter. Irgendwann kommt meine Frage nach dem Blutkoran. Der Minister blickt mich eisig an und richtet sich auf Arabisch an Khadum: «Ich habe davon gehört, aber ich weiss nicht, wo er ist, und dieser Koran ist von keinerlei historischem Interesse. Nächste Frage?» Das war wohl nichts. Doch in diesem Moment steht der kleine Herr hinter mir auf, um dem Minister eine Petition zur Unterschrift vorzulegen.

Dieser kleine Herr ist vielleicht 70 Jahre alt, hat einen dicken Bauch, Bauernhände und trägt eine etwas zu lange, abgenutzte Jacke. Er komme vom Büro des Premierministers, sagt er, nähert sich, um sein Schreiben vom Minister unterzeichnen zu lassen, und zieht sich ehrerbietig zurück. Und plötzlich ergeht er sich in einem endlosen Redeschwall. Khadum versucht zu übersetzen, doch der kleine Herr lässt ihm keine Zeit. Ich versuche, ihn zu unterbrechen, er tut, als sei ich nicht da. Der Minister schaut ihn halb amüsiert, halb genervt an. Der kleine Herr hat sich in unser Gespräch eingemischt und regt sich auf. Man solle endlich aufhören mit diesem Schwindel von diesem Koran aus Blut, ruft er. «Er wurde nicht mit Blut geschrieben, sondern mit Tinte, ich kenne den Kalligrafen, er war mein Freund. Saddam hat ihn dazu gezwungen, er wäre umgebracht worden, wenn er Nein gesagt hätte.» Khadum versucht zu übersetzen, der Minister versucht, ihm Einhalt zu gebieten. Mein Blick fliegt von einem zum anderen. Ich schnappe Fetzen auf und bin selbst genervt, allem voran von dieser Person und ihrem unverständlichen Wortschwall. Doch er fährt fort, und die Details, die er zum Besten gibt, beginnen uns ernsthaft zu interessieren. «Saddam Hussein hat ihm eine Wohnung und ein Auto gestellt, einen Chevy Caprice, so einen, wie ihn die Wichtigen haben. Er hat ihn in der Grünen Zone einquartiert, obwohl er kein Professor war, nur Kalligraf.» Der kleine Herr erläutert, dass auch er Kalligraf war, und zum Beweis zeigt und präsentiert er dem Minister seinen Mitgliedsausweis des irakischen Kalligrafieverbandes. Und er setzt hinzu: In dieser Tinte sei kaum Blut gewesen. Es sei eine Mischung «mit höchstens ein oder zwei Flaschen Blut des Diktators» gewesen. Ich fasse mich und befrage ihn zum Kalligrafen. Wer war er? Wie hat er diese Zeit erlebt? Der Minister würde das Gespräch gern schnellstens unterbinden, doch es gelingt ihm nicht, den kleinen Mann zu bremsen. «Er hatte eine erste Frau und drei Kinder. Und dann hat er eine zweite geheiratet und noch drei Kinder bekommen. Er ist mit der zweiten und den letzten Kindern ins Ausland geflüchtet, er wäre sonst ermordet worden, aber das Ganze ist ein Schwindel, er hatte keine Schuld.» Während der Mann wie ein Wasserfall weiterredet, begreife ich, dass er den Kalligrafen zu rehabilitieren versucht. Es liegt ihm ungeheuer viel daran, seine Version mitzuteilen. Der Minister beendet die surreale Szene, indem er sich erhebt und uns alle verabschiedet.

 

Das Gesicht eines Funktionärs der Baath-Partei oder eines Bösen aus Tim und Struppi

 

Emmanuel: Am Ende seines kaum zu bändigenden Redeschwalls schrie der kleine Alte im Büro des Ministers fast, er habe den Kalligrafen Abbas Joudi «al-Baghdadi» gut gekannt, sehr gut gekannt, niemand habe ihn besser gekannt als er, und was er uns über ihn erzählen könne, wenn wir ihn freundlich danach fragten, sei die einzige und wirkliche Wahrheit zu der Frage, die uns beschäftige.

Während wir uns perplex zurückzogen, war Dr. Khadum umsichtig genug, den Alten nach seiner Telefonnummer zu fragen. Er rief ihn an und lud ihn für den nächsten Tag zum Mittagessen ein. Nun warten wir im diskret reservierten VIP-Salon eines sehr angenehmen Fischrestaurants am Ufer des Tigris.

Wir warten lange, sehr lange auf unseren Gast und stopfen dabei Oliven und Hummus in uns hinein. Wir finden uns schon langsam damit ab, dass er uns versetzt hat, da taucht er auf, weniger cholerisch als am Vortag, ja sogar heiter, doch sobald er sitzt, beginnen ohne Umschweife wieder seine Tiraden. Ich fasse zusammen. Hias (so sein Vorname) ist selbst Kalligraf und seit seiner Jugend ein enger Freund des Kalligrafen Abbas Joudi al-Baghdadi. Hias war Student an der Akademie, Abbas nicht. Als Sohn einer armen Familie im – zur Erinnerung: schiitischen – al-Kadhimiya-Viertel hat Abbas keine Ausbildung genossen. Er begann als Porträtmaler, bevor er sich als Autodidakt der Kalligrafie zuwandte und jahrelang zu Hause zurückgezogen einen Stil entwickelte, an dem Kenner mit einem Blick seine Werke ausmachen. Jeder Buchstabe, den er zeichnet, sei wie eine Musiknote, sagt Hias, und eine Seite von ihm sei eine Art Sinfonie. Weswegen er einen kleinen, sehr bescheidenen Laden im al-Adhamiyah-Viertel eröffnete – dem sunnitischen, ich erinnere noch einmal daran, ohne wirklich zu verstehen, was es bedeutet, von einem Viertel zum anderen, von einer Gemeinschaft zur anderen zu wechseln, doch es lohnt sich festzuhalten, dass der Kriegsname, den er sich wählte, al-Baghdadi, ein typisch sunnitischer und sogar der des IS-Gründers Abu Bakr al-Baghdadi ist. Obgleich Abbas weder einen offiziellen Status noch eine universitäre Ausbildung besass, galt er als Meister, und das ist an sich schon erstaunlich, erklärt mir später Dr. Khadum. Denn die romantische Figur des besonders originellen Künstlers, dessen Genie weit über jede akademische Institution hinaus strahlt, ist ein Klischee, das es bei uns seit den Impressionisten gibt, aber im Irak oder der arabischen Welt, wo Prestige an Titel und offizielle Anerkennung gebunden ist, überhaupt nicht geläufig ist. Trotzdem spricht Hias von seinem Freund Abbas wie von einem van Gogh der Kalligrafie. Und es muss diese Art von untypischem Ruhm eines Aussenseiters gewesen sein, weshalb Saddam Hussein für seinen Koran aus Blut Abbas zum Kalligrafen wählte.

Ich würde nicht behaupten, Saddams schwarze Seele ausgelotet zu haben, doch ich habe inzwischen eine klare Theorie für seine Beweggründe: Während der Höllenfahrt, die auf den misslungenen Einmarsch in Kuwait folgte, tauschte er sein Ideal eines panarabischen Führers gegen das des Beherrschers der Gläubigen ein. Und gegen Ende der 1990er Jahre, als die Katastrophe näher rückte, ging er noch weiter. Man berichtet, er habe gesagt: «Das Gesetz ist ein Satz, der meine Unterschrift trägt.» Vom säkularen Gesetz weitete er dieses Prinzip auf das göttliche Gesetz und die Lehre des Propheten aus: Selbst der Koran sollte ihm dienen. Alle Ayatollahs und Ulamas der Welt sollten ihn nicht davon abhalten, den Koran nach seinem Gutdünken auszulegen. Eine gotteslästerliche Geste brauchte nur von ihm ausgeführt zu werden, um nicht mehr gotteslästerlich zu sein, oder mehr noch: um von der Gotteslästerung zu einer Lobpreisung Gottes zu werden. Das Blut ist haram? Ist es das von Saddam, wird es halal, und ich bin mir sicher, dass er es witzig fand, ganze Versammlungen von Gelehrten einzuberufen, um sie ängstlich zitternd anerkennen zu sehen, was sie alle eindeutig als Frevel identifizierten. Eine Geste der Herausforderung, der Hybris, der faustischen Überheblichkeit. Doch wie Lucas sagt, es brauchte zwei, um diesen Totentanz zu tanzen. Wer also war Abbas Joudi al-Baghdadi wirklich?

Ich hatte Hias im Verdacht gehabt, die Interpretationshoheit und Bühnenrampe allein für sich beanspruchen und deshalb jeden anderen Zeugen ausschalten zu wollen. Ich sollte unrecht behalten. Mit dem grössten Wohlwollen besuchte er mit uns zwei weitere Kalligrafen, die wie er Abbas gut gekannt haben. Beide gehen ihrer Kunst nach, wie dieser es zu Beginn tat: in kleinen Buden auf einer belebten Strasse in al-Adhamiyah. Beide zeichnen dasselbe Porträt von Abbas: ein Künstler, ein Dichter. Ein bisschen verrückt, ein bisschen obsessiv, aber ein guter Freund mit einem Herzen aus Gold. Früher tranken sie zusammen arak, doch als er in diese gefährliche Geschichte mit dem blutigen Koran hineingezogen wurde, musste er aufhören, zum einen, weil Alkohol haram ist, zum anderen, weil er ganz einfach keine Zeit mehr hatte. Er arbeitete wie ein Verrückter, Tag und Nacht, «wie mit einem Messer im Nacken». Man sah ihn nicht mehr. Man hatte Angst um ihn, der in seiner grossen Wohnung in der Grünen Zone der Gnade und den Launen Saddams ausgeliefert war. Je länger ich diesen drei alten Männern zuhöre, die ihn gekannt und gemocht haben und ihn immer noch für den Besten von ihnen halten, desto fesselnder finde ich diesen Abbas, dessen Gesicht sich langsam abzeichnet. Ein reiner Mensch und genialer Künstler, eingespannt von einem allmächtigen, sich für Gott oder gar mehr haltenden Spinner und seit dessen Untergang zu einem endlosen Herumirren verdammt: Auch so kann man die Geschichte erzählen.

Allerdings …

Allerdings ist Abbas in meiner Version ein fliehendes, gehetztes, ungreifbares Phantom, während die drei Alten in der Gegenwart von ihm sprechen und genau wissen, wo er steckt: im saudiarabischen Jidda, wo er sich nach einigen unsteten Jahren zwischen Jordanien und den USA niedergelassen hat. Saudiarabien ist das Zentrum des sunnitischen Islams – in seiner wahabitischen Version, der weitaus strengsten. Dass man einen Meister der Korankalligrafie, der von Saddam Hussein protegiert wurde, dort mit offenen Armen empfängt und sogar mit lukrativen Angeboten lockt, erstaunt mich nicht im Geringsten. Er hat in Jidda eine edle Galerie eröffnet, nicht einen kleinen, unbedeutenden Stand, sagen seine Freunde mit leicht neidischem Unterton. Man behandelt ihn wie einen Staatsschatz, erfüllt ihm all seine Wünsche, schenkt ihm Prunkgewänder. Abgesehen von einem Magengeschwür – ein Erbe seiner gestressten, dem Koran gewidmeten Jahre – und Anfällen von Heimweh, geht es ihm mit seinen 68 Jahren so gut, wie es eben gehen kann. Fast ein wenig zu gut für die Geschichte, die ich erzählen will.

Man soll die Leute nicht ihrem Aussehen nach beurteilen, ich weiss. Und doch tue ich es. Ich glaube felsenfest, dass Gesichter nicht lügen und dass man, einem gängigen Spruch nach, ab einem gewissen Alter das Gesicht hat, das man verdient. Nun aber ist das Gesicht von Abbas al-Baghdadi, von dem uns einer seiner drei alten Freunde natürlich ein Foto auf seinem Mobiltelefon zeigt, alles andere als das eines guten Kerls und noch weniger das eines verstossenen Künstlers. Kahlgeschorener Schädel, schwarzer Schnauzbart, Sonnenbrille, verkniffenes Gesicht, verdrossenes Kinn: Er sieht aus wie ein Funktionär der Baath-Partei oder ein Böser aus Tim und Struppi. Dieses Gesicht erzählt eine völlig andere Geschichte: die eines Hofmalers, eines eifrigen Karrieristen, eines Schiiten, der Sunnit wurde, um dem Chef zu gefallen, und den der Chef – wie uns einer der drei Alten unbedarft erzählte – zum Präsidenten des irakischen Kalligrafenverbands machte, kurz: ein prototypischer Apparatschik.

Welches Bild ist das richtige? Welche Geschichte stimmt? Und wenn beide es tun? Wären wir schlauer, wenn wir nach Jidda führen und an die Tür seiner Galerie klopften?

 

Die Frau mit der «Angst vor einem Fluch»

 

Lucas: Ich füge Emmanuels Fragen noch ein paar weitere hinzu. Wo könnte dieser Koran jetzt sein? Uns wurde zweimal dasselbe Gerücht zugetragen: Er sei im Bemühen, ihn vor der Wut der Schiiten zu retten, heimlich an reiche Saudi verkauft worden. Ein Kalligraf merkte sogar scherzhaft an, er würde «bald im Louvre Abu Dhabi ausgestellt». Doch wir haben auch die ausgefallene Geschichte gehört, der Blutkoran befinde sich in der Hand von Saddam Husseins nach Jordanien geflohener Tochter.

Seit wir aus Bagdad zurück sind, schaue ich mir oft den Instagram-Account desjenigen an, der sich dort einfach «baghdadiabbas» nennt. Einer der Strassenkalligrafen, die wir getroffen haben, hat uns diesen Account im Internet gezeigt. Ich selbst war nicht auf die Idee gekommen. Und nehme es mir übel. Es hätte seit Beginn unserer Recherche nahegelegen – nur dass wir den Namen «baghdadiabbas» erst finden mussten. Jetzt schaue ich mehrmals am Tag hinein. Man findet darin zahlreiche Abbildungen seiner Werke, aber auch Fotos von ihm inmitten von Studenten oder Arm in Arm mit einem saudischen Prinzen oder beim Kalligrafieren. Es muss jemanden geben, der seinen Account verwaltet, einen eifrigen Studenten oder Fan, sonst müsste er seine Tage und Nächte damit zubringen. Ich nehme sein Gesicht unter die Lupe, zoome es heran und versuche, es zu lesen. Manchmal postet er ein altes Foto von sich, als er noch im Irak lebte. Dann erscheint derselbe Mann in jung inmitten von irakischen Schülern und Freunden. Er wirkt um einiges fröhlicher. Die Bilder haben den leichten Gelbstich von alten, schlechten Fotografien. Hat er Fotoalben mitgenommen, die er von Zeit zu Zeit plündert, als wolle er daran erinnern, wer er einst in Bagdad war? Dass er nicht immer dieser Typ in saudischer, weisser, blütenreiner qamis war, sondern auch ein Künstler in Jeans und Hemd inmitten von Freunden nach einem Aperitif in einem Bagdader Café? Oder sind es seine Freunde, die ihm manchmal wiedergefundene Fotos aus dem Irak schicken, um ihn an die gute alte Zeit zu erinnern und zum Zurückkommen zu bewegen? Doch er kann nicht zurück. Seine Freunde bedauern es, aber sie bestätigen: Man würde ihn umbringen. Die Gespenster von Saddam Hussein sind noch zu gegenwärtig. Selbst wenn eine versöhnliche Stimmung über Bagdad zu liegen scheint, ist die Hauptstadt nicht das Land und die Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten nicht verebbt.

Damit könnte unsere Reportage enden: Wir würden nach Jidda fahren, uns mit dem Künstler verabreden und uns seine Version der Geschichte anhören. Vielleicht wüssten wir dann Bescheid. Aber das ist nicht so einfach. Man kreuzt nicht einfach so bei jemandem auf, ohne dazu berechtigt und eingeladen zu sein, und schon gar nicht in Saudi­arabien. Zudem wüsste Abbas Joudi al-Baghdadi mit Sicherheit durch seine Freunde, dass zwei Franzosen in Bagdad herumspaziert sind und allen und jedem Fragen nach «seinem» Koran aus Blut gestellt haben. Er würde misstrauisch werden, auch wir an seiner Stelle wären es.

Ich bitte eine irakische Freundin, uns zu helfen. Sie ist Kalligrafiespezialistin. Sie hat uns vor und während unserer Reise in den Irak bei unserer Recherche geholfen. Sie lebt in Frankreich und möchte nicht, dass ich ihren Namen nenne. Sie ist eine sanfte Intellektuelle, die wunderbare Erinnerungen an ihre Kindheit im Irak hat und über den Zustand ihres Landes tief betrübt ist. Ich frage sie, ob sie den Kalligrafen in unserem Beisein anrufen könnte, um ihm unser Vorgehen zu erklären und ihm zu unterbreiten, dass wir ihn gern besuchen würden. Sie bittet mich um etwas Bedenkzeit. Das überrascht mich: Ich hätte geglaubt, sie würde mir diesen Gefallen tun, ohne zu zögern.

Am nächsten Tag treffe ich sie wieder. Sie ist verlegen, das spüre ich sofort. Sie würde mir gern helfen, aber diese Sache geht zu weit. Schliesslich sagt sie: «Lucas, ich möchte mit diesem Mann nicht sprechen. Nicht einmal am Telefon. Die ganze Geschichte macht mir Angst. Ich glaube, man sollte aufhören, in diesen Erinnerungen zu wühlen, und sich auf Distanz halten. Ich habe Angst vor einem Fluch: Es ist immerhin ein Koran aus Blut.»

Also versuche ich auf eigene Faust, Abbas al-Baghdadi zu erreichen. Eine in Bagdad aufgesammelte Telefonnummer war nicht die richtige, doch bei einer anderen klingelt es endlich, dann hebt jemand ab, und ich höre die Stimme eines alten Mannes, der kaum Englisch spricht. «Ja, ich bin Abbas al-Baghdadi, der Kalligraf.» Ich stelle mich vor. Er wisse von unseren Nachforschungen, «Leute in Bagdad» hätten ihn informiert. Es fällt ihm schwer, sich richtig auszudrücken, und er reicht mich lieber an seine Frau weiter. Mit sanfter Stimme erklärt sie mir, ihr Mann sei ein ehrlicher Mensch, ein sehr ehrlicher Mensch, und er könne nicht nach Bagdad reisen. Sie lebten in Riad, in Saudiarabien. Ich schlage ihr ein Interview vor, um seine Version zu hören. Er möchte sie nicht am Telefon erzählen. «Die Sache braucht Zeit», übersetzt seine Frau. Ich schlage ihm vor, ihn zusammen mit Emmanuel zu besuchen. «Sie sind herzlich willkommen», antwortet der Kalligraf.

 

Aus dem Französischen von Claudia Hamm.

 


 

Schiiten und Sunniten

Saddam Hussein war Sunnit wie die Mehrheit der Muslime weltweit, etwa 80 bis 90 Prozent. Im Irak sind jedoch die Schiiten in der Mehrheit, damit gehört das Land zu den wenigen Ausnahmen neben Iran und Bahrain. Die beiden Glaubensrichtungen spalteten sich im 7. Jahrhundert an der Frage, wer der Nachfolger Mohammeds sei. Die Mehrheit wollte einen Kandidaten frei wählen – ihr Name leitet sich von den Überlieferungen des Propheten ab, der sogenannten «Sunna». Die Minderheit war der Meinung, dass der Nachfolger nur aus Mohammeds Familie stammen dürfe. Sein Cousin und Schwiegersohn Ali wurde auserkoren, und seine Anhänger nannten sich «Schia Ali», was «Partei Alis» bedeutet, daraus wurde das Wort «Schiiten» abgeleitet.

 

Hussein als Schriftsteller?

Ende 2000 kam in Bagdad das Buch Zabibah und der König heraus, mit dem rätselhaften Vermerk: «Von seinem Autor». Dieser Autor – da ist sich so ziemlich der ganze Irak sicher – kann nur einer sein: Saddam Hussein. Das Buch ist eine philosophische Erzählung im Stil von Tausendundeiner Nacht, in der ein weiser, mächtiger König einer jungen Frau aus dem Volk, die sein Lager teilt, seine Ansichten zur Welt erklärt. Man findet darin Verwünschungen des Zionismus (dessen «abscheuliches Bündnis mit Amerika die Welt in einen Albtraum verwandelt hat»), Lobpreisungen des Iraks und seines Führers («Ein Ritter verkündete mit fester Stimme: Hier bin ich, ich, der Irak, der Einzige auf dieser Erde, der laut zu rufen wagt: Schluss mit der Ungerechtigkeit und der Tyrannei!»), aber auch Überlegungen zur sexuellen Freiheit der Frau und zur Gleichstellung der Geschlechter.

 

Autoren

Emmanuel Carrère, 1957 in Paris geboren, lebt als Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur in Paris. Seine Texte sind in viele Sprachen übersetzt worden. Lucas Menget, geboren 1974, ist Radio- und Fernsehjournalist. Er arbeitete als Kriegsberichterstatter und ist nun stellvertretender Direk­tor des Nachrichtensenders france info. Für beide war die Zusammenarbeit einmalig, ungewöhnlich – und verlief «äusserst positiv». Menget: «Ich habe dank Emmanuel den Irak, den ich schon sehr gut kannte, mit neuen Augen gesehen.» Carrère: «Meine Skepsis gegenüber diesem Koran war gross. Dank der Recherche an der Seite von Lucas weiss ich nun: Er existiert!» Die Reise nach Saudiarabien zum Kalligrafen von Bagdad ist für den Herbst vorgesehen.

 

Mehr aus dem Irak:

Reportagen#25 — Der Hölle entkommen von Alia Allana

Reportagen#39 — Die Saat des Kalifats von Francesca Mannocchi

Emmanuel Carrère, Lucas Menget unterwegs:
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